{"id":193,"date":"2017-11-20T19:34:35","date_gmt":"2017-11-20T18:34:35","guid":{"rendered":"http:\/\/romanistisches-kolloquium.de\/dlv\/?page_id=193"},"modified":"2017-11-20T19:40:49","modified_gmt":"2017-11-20T18:40:49","slug":"thesen","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/was-ist-lusitanistik\/wissenschaftsgeschichte\/thesen\/","title":{"rendered":"Thesen"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">Axel Sch\u00f6nberger (Bremen)<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\n<h1><b>Thesen zur weiteren Entwicklung der Romanistik<\/b><a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_1_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b><sup>\u00a0(1)<\/sup><\/b><\/a><\/h1>\n<p class=\"bodytext\">\n<p class=\"bodytext\">Mit nachstehenden Thesen m\u00f6chte ich einen Beitrag zu der von Matthias Perl und Klaus Zimmermann in\u00a0<i>Lusorama<\/i>begonnenen<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_2_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>\u00a0(2)<\/sup><\/a>\u00a0und in dieser Ausgabe von Rainer Schl\u00f6sser, Hans-Ingo Radatz und Johannes Kramer fortgesetzten<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_3_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a0<sup>(3)<\/sup><\/a>\u00a0Diskussion liefern. Alle f\u00fcnf, in vorliegendem Band nachgedruckten Beitr\u00e4ge enthalten die Diskussion belebende Analysen und Gedanken. Anders als Matthias Perl und Klaus Zimmermann und in \u00dcbereinstimmung mit Rainer Schl\u00f6sser und Johannes Kramer bin ich insbesondere in einem zentralen Punkt, dem der Lateinkenntnisse, der Meinung, da\u00df fundierte Lateinkenntnisse die\u00a0<i>conditio sine qua non<\/i>\u00a0f\u00fcr einen Romanisten sind und bleiben m\u00fcssen; ohne gute Kenntnis des Lateinischen ist eine historische Perspektive in Sprach- und Literaturwissenschaft der einzelnen romanischen Sprachen nicht m\u00f6glich, welche nach \u00fcberwiegendem Konsens zum unverzichtbaren Kernbereich der Romanischen Philologie geh\u00f6rt. Romanische Seminare, die einen \u00ablateinlosen\u00bb Studiengang der Romanistik erm\u00f6glichen, bieten den Studierenden eine \u00abMogelpackung\u00bb und mit Sicherheit eine schlechtere Ausbildung als diejenigen Seminare, die an den bew\u00e4hrten Traditionen des Fachs festhalten, an. Es ist au\u00dferdem f\u00fcr Romanistikstudenten heute wichtiger denn je &#8211; und hier stimme ich unbedingt den vorstehenden Ausf\u00fchrungen von Hans-Ingo Radatz zu -, da\u00df sie passive Kenntnisse in m\u00f6glichst vielen romanischen Sprachen erwerben; auch hierf\u00fcr sind fundierte Lateinkenntnisse ein ausgezeichnetes Fundament. Da\u00df dar\u00fcber hinaus je nach Forschungsrichtungen und zu untersuchenden Einzelsprachen auch weitere Kontaktsprachen wie Indianersprachen oder afrikanische Sprachen von Belang sein k\u00f6nnen, geh\u00f6rt in einen anderen Zusammenhang.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ich verzichte hier auf die Anf\u00fchrung der vielen weiteren Diskussionsbeitr\u00e4ge, die zu diesem Thema in den letzten Jahren ver\u00f6ffentlicht wurden, ebenso wie auf l\u00e4ngere Ausf\u00fchrungen oder Begr\u00fcndungen, da ich im folgenden in erster Linie einige Prognosen in Thesenform zur weiteren Diskussion\u00a0<i>in utramque partem<\/i>\u00a0vorstellen will. Ich betone hierbei ausdr\u00fccklich, um m\u00f6glichen Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen vorzubeugen, da\u00df es sich um Entwicklungstendenzen handelt, von denen ich meine, da\u00df sie absehbar sind, die ich aber in dieser Form selbst nicht f\u00fcr w\u00fcnschenswert halte; meinen eigenen, diesen Entwicklungstendenzen eher entgegengesetzten Standpunkt, wie ich mir eine weitere Entwicklung der Romanistik (und damit auch der Lusitanistik) w\u00fcnschen w\u00fcrde, habe ich bereits an anderer Stelle dargestellt.<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_4_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>\u00a0(4)<\/sup><\/a>\u00a0Johannes Kramer und Brigitte Schlieben-Lange haben k\u00fcrzlich zwei \u00fcberzeugende Pl\u00e4doyers f\u00fcr die Beibehaltung einer umfassenden Romanistik ver\u00f6ffentlicht, denen ich mich inhaltlich gerne anschlie\u00dfe;<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_5_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>\u00a0(5)<\/sup><\/a>\u00a0ich bef\u00fcrchte nur, da\u00df die weitere Entwicklung in eine andere Richtung gehen wird, als viele, deren Herz noch an einem traditionelleren Fachkonzept h\u00e4ngt, es sich w\u00fcnschen. Ausgeschlossen d\u00fcrfte in jedem Fall sein, da\u00df eine R\u00fcckkehr zu den Verh\u00e4ltnissen der sechziger Jahre, wie sie Konrad Schoell in den\u00a0<i>Mitteilungen des Frankoromanistenverbandes<\/i>beschrieben hat,<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_6_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>\u00a0(6)<\/sup><\/a>\u00a0stattfindet oder etwa das Franz\u00f6sische wieder zur zentralen Sprache der Romanistik werden k\u00f6nnte. In einer st\u00e4ndig zusammenwachsenden und subjektiv kleiner werdenden Welt verschieben sich andauernd die Perspektiven und Gewichte, die franz\u00f6sische Sprache und Kultur mit ihren weltweit nur ca. 90 Millionen Sprechern &#8211; gegen\u00fcber mehr als 120 Millionen Sprechern allein des Deutschen, ca. 300 Millionen Hispanophonen und etwa 470 Millionen Anglophonen &#8211; ist l\u00e4ngst nur noch eine unter vielen, neue Sprachen und Kulturen aus Asien r\u00fccken immer mehr in den Blickwinkel und das Interesse der Europ\u00e4er, und auch die Bedeutung des deutsch-franz\u00f6sischen Verh\u00e4ltnisses, das ohnehin im Vergleich zur NATO-Partnerschaft mit den USA zweitrangig ist, wird in absehbarer Zeit im Zuge der st\u00e4ndigen Erweiterung der Europ\u00e4ischen Union und der gestiegenen weltpolitischen Bedeutung Deutschlands, das als Mitglied der wirtschaftlich f\u00fchrenden Triade &#8211; USA, Japan, BRD &#8211; weltweit schon wenige Jahre nach der Wiedervereinigung \u00fcber ein viel gr\u00f6\u00dferes Gewicht verf\u00fcgt, als sie dem im internationalen Wettbewerb der Nationen immer weiter zur\u00fcckfallenden Frankreich noch zukommt, weiter abnehmen. Englisch und Spanisch d\u00fcrften wohl die europ\u00e4isch-amerikanischen, Chinesisch und Japanisch die asiatischen Sprachen der Zukunft sein, welche das 21. Jahrhundert pr\u00e4gen werden. Den Wettlauf mit dem Englischen oder Spanischen hat das Franz\u00f6sische international schon l\u00e4ngst verloren; man mag dies bedauern, wird den Lauf der Dinge aber nicht mehr wesentlich \u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Zehn Thesen zur zuk\u00fcnftigen Entwicklung<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">1.Die Entwicklung des Fachs seit den siebziger Jahren hat im Rahmen des bisherigen modularen Konzepts der Romanistik zu einer<i>AusdifferenzierungundSpezialisierung<\/i>sowohl nach Sprachen wie auch nach Disziplinen (vor allem Sprach- und Literaturwissenschaft) gef\u00fchrt. Hierdurch erfahren \u00abkleinere\u00bb Sprachen wie das Katalanische oder das Rum\u00e4nische innerhalb der deutschen Romanistik bisher weit mehr Beachtung als fr\u00fcher. Diese Ausdifferenzierung wird sich zwar fortsetzen, langfristig aber zur Folge haben, da\u00df F\u00e4cher wie Katalanische oder Rum\u00e4nische Philologie \u00fcberhaupt nur noch an wenigen Universit\u00e4ten schwerpunktm\u00e4\u00dfig betrieben werden k\u00f6nnen und die Mehrheit der Universit\u00e4ten sich auf ein reines Sprachkursangebot und gelegentliche landeskundliche Veranstaltungen beschr\u00e4nken wird. Die vier \u00abHauptsprachen\u00bb der Romanistik &#8211; Spanisch, Franz\u00f6sisch, Italienisch und Portugiesisch &#8211; d\u00fcrften dagegen langfristig an den meisten Universit\u00e4ten, die zur Zeit ein Romanisches Seminar beherbergen, als Einzelphilologien gelehrt werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">2.Die Sprach- und Literaturwissenschaft des Franz\u00f6sischen (Franzistik),<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_7_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>\u00a0(7)<\/sup><\/a>\u00a0welche traditionell die deutsche Romanistik dominierte, hat im Zuge dieser Entwicklung ihre fr\u00fchere Sonderstellung verloren, wie auch das besondere politische Verh\u00e4ltnis zwischen Deutschland und Frankreich, die nur vor der Restauration des deutschen Staates nach der \u00abWende\u00bb von 1989 in der DDR noch gleichberechtigte Partner waren und nach dem Ende des Kalten Krieges nunmehr eher divergierende Interessen aufweisen, sp\u00e4testens nach der absehbaren Osterweiterung der Europ\u00e4ischen Union weiter an Bedeutung einb\u00fc\u00dfen wird. Es ist heute sogar bereits m\u00f6glich, einzelne Gebiete der Romanistik ohne Kenntnis der franz\u00f6sischen Sprache und Literatur zu studieren.\u00a0<i>Dem Franz\u00f6sischen wird zuk\u00fcnftig innerhalb der Romanistik &#8211; trotz aller bisherigen kulturgeschichtlichen Traditionen &#8211; kein Sonderstatus mehr zukommen.<\/i><a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_8_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>\u00a0(8)<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"bodytext\">3.Die\u00a0<i>Hispanistik<\/i>\u00a0wird langfristig &#8211; wie auch in den USA &#8211; aus verschiedenen Gr\u00fcnden den wichtigsten Platz in der Romanistik einnehmen. Sie besch\u00e4ftigt sich mit den meisten romanischsprachigen L\u00e4ndern und der weltweit am weitesten verbreiteten romanischen Sprache. Bereits jetzt gibt es daher an einigen Seminaren mehr Studenten des Spanischen als des Franz\u00f6sischen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">4.Die franz\u00f6sische Philologie wird langfristig keine \u00abFranko<i>romanistik<\/i>\u00bb, sondern eine\u00a0<i>Franzistik<\/i>\u00a0werden. Die vergleichende Betrachtung franz\u00f6sischer Sprache und frankophoner Literaturen in Synchronie und Diachronie mit Blick auf alle anderen romanischen Sprachen und Literaturen sowie auf das Lateinische, wie sie das Konzept einer \u00abFranko\u00a0<i>romanistik<\/i>\u00bb beinhaltet, wird immer weiter in den Hintergrund treten, nationalstaatlich orientierte Ans\u00e4tze werden das Fach dominieren, welches zwar relativ weiter an Gewicht verlieren, aber einen wichtigen Platz im Rahmen der Philologien behaupten wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">5.Die\u00a0<i>Lusitanistik<\/i>, welche zur Zeit noch ein Schattendasein innerhalb der Romanistik alter Pr\u00e4gung fristet, k\u00f6nnte langfristig in Deutschland die drittwichtigste Philologie innerhalb der Besch\u00e4ftigung mit den Einzelphilologien der romanischen Sprachen werden. Insbesondere die sich mit dem gr\u00f6\u00dften romanischsprachigen Land besch\u00e4ftigende Brasilianistik als Untergebiet der Lusitanistik d\u00fcrfte einen anhaltenden Aufschwung erleben.<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_9_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>\u00a0(9)<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"bodytext\">6.Die\u00a0<i>Italianistik<\/i>\u00a0wird neben der Hispanistik, Franzistik und Lusitanistik weiterhin einen gewichtigen Platz im Rahmen der modernen Philologien einnehmen, im Vergleich zu ihrer fr\u00fcheren und derzeitigen Position aber noch weiter an Bedeutung verlieren.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">7.<i>Kleinere romanische Philologien<\/i>\u00a0wie die Besch\u00e4ftigung mit dem Galicischen, dem Katalanischen, dem Okzitanischen, dem R\u00e4toromanischen, dem Rum\u00e4nischen, dem Sardischen oder den romanisch basierten Kreolsprachen werden in sinnvoll ausgebauten, international wettbewerbsf\u00e4higen Studieng\u00e4ngen nur noch an einigen wenigen Universit\u00e4ten angeboten werden k\u00f6nnen, als gelegentliche Erg\u00e4nzungen etwa zur Hispanistik (Katalanisch) oder Lusitanistik (Galicisch) aber auch mit Sprachkursen und vereinzelten Seminaren an weiteren Universit\u00e4ten vertreten sein.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">8.Die weitere Entwicklung und Ausrichtung des Faches wird sich zunehmend am\u00a0<i>internationalen Kontext<\/i>\u00a0orientieren. Auch der zwar beklagenswerte, aber gleichwohl bei einer st\u00e4ndig steigenden Zahl habilitierter Romanisten zu konstatierende stetige, gravierende R\u00fcckgang der Lateinkenntnisse und der damit verbundene Verlust der historischen Perspektive sowie des gesamtromanistischen Zusammenhangs wird diese Ausdifferenzierung beschleunigen und trotz aller gewichtigen inhaltlichen Gr\u00fcnde, die f\u00fcr eine Fortf\u00fchrung der deutschen Tradition sprechen, wahrscheinlich zur allm\u00e4hlichen Aufl\u00f6sung der Romanistik f\u00fchren. Ob trotz der strukturellen Finanzkrise des derzeitigen deutschen Bundesstaates und seiner L\u00e4nder in der weiteren Entwicklung an einigen Schwerpunktuniversit\u00e4ten nach ausl\u00e4ndischem Vorbild dann auch spezialisierte Lehrst\u00fchle im Rahmen entsprechend ausgebauter Studieng\u00e4nge entstehen werden (z. B. f\u00fcr \u00abSpanische Literatur des Siglo de Oro\u00bb, \u00abFranz\u00f6sische Literatur der Klassik\u00bb, \u00abHispanoamerikanische Sprachwissenschaft\u00bb [mit Schwerpunktsetzung in einzelnen Regionen], \u00abSprachkontaktforschung in den PALOP-Staaten\u00bb etc.), l\u00e4\u00dft sich derzeit noch nicht absch\u00e4tzen. Langfristig werden m\u00f6glicherweise trotz aller derzeitigen Konsolidierungsma\u00dfnahmen in einer gegenl\u00e4ufigen Tendenz einerseits mehr Universit\u00e4tsstellen insgesamt f\u00fcr Forschung und Lehre zu den romanischsprachigen L\u00e4ndern zur Verf\u00fcgung stehen &#8211; die strukturelle Finanzkrise des f\u00f6deralen Staates wird\u00a0<i>\u00e0 longue dur\u00e9e<\/i>\u00a0nicht zu einer Verringerung der Stellenzahl, die kurzfristig innerhalb der n\u00e4chsten f\u00fcnfzehn Jahre eintreten mag, sondern eher zu deutlichen Absenkungen von Geh\u00e4ltern und Berufungsmitteln f\u00fcr Professoren f\u00fchren -, die Spezialisierung der Lehrstuhlaspiranten und -inhabern auf entsprechende Gebiete wird aber zur Folge haben, da\u00df die Zahl der Stellen, auf die sich ein einzelner, spezialisierter Sprach- oder Literaturwissenschaftler dann noch bewerben kann, sinken wird. Der hierdurch st\u00e4rker werdende Wettbewerb, an dem sich zunehmend auch Wissenschaftler aus dem europ\u00e4ischen Ausland beteiligen werden, wird wiederum voraussichtlich die Spezialisierungen und Qualifikationen st\u00e4ndig weiter vorantreiben.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">9.<i>Wichtigste Publikationssprachen<\/i>\u00a0werden neben dem Englischen die jeweiligen Sprachen der Einzelphilologien sein. Das Deutsche wird in der Forschung immer mehr in den Hintergrund treten und vor allem als Sprache der Lehre Verwendung finden.<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_10_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>\u00a0(10)<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"bodytext\">10.Die\u00a0<i>Bedeutung der Staatsexamensstudieng\u00e4nge<\/i>\u00a0in jeder Einzelphilologie wird aus mehreren Gr\u00fcnden weiter zur\u00fcckgehen:<\/p>\n<p class=\"bodytext\">-Erstens wird der Bedarf an Lehrern\u00a0<i>einzelner<\/i>\u00a0moderner Fremdsprachen aus der Romania weiter sinken, da neben dem mittlerweile unverzichtbaren Englischen immer mehr Sprachen an den Schulen betrieben werden; Spanisch, Franz\u00f6sisch und Italienisch werden als meist zweite Fremdsprache sowohl untereinander wie auch mit dem Lateinischen, Niederl\u00e4ndischen, Japanischen etc. konkurrieren m\u00fcssen, wodurch der Bedarf an Lehrern f\u00fcr die jeweiligen Einzelsprachen sinken wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">-Zweitens ist absehbar, da\u00df die weitere Anpassung (\u00abHarmonisierung\u00bb) der Berufsabschl\u00fcsse in der Europ\u00e4ischen Union dazu f\u00fchren wird, da\u00df das zweite Staatsexamen als Eingangsvoraussetzung f\u00fcr den Schuldienst langfristig entfallen und infolge der Gleichbehandlung mit Bewerbern aus anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern auch den deutschen Absolventen von Magister- oder Diplomstudieng\u00e4ngen der Weg in die Schule offenstehen wird; auch der Beamtenstatus f\u00fcr Lehrer wird im zusammenwachsenden Europa wohl nicht ewig aufrechterhalten werden k\u00f6nnen. Da Magister- und Diplompr\u00fcfungen bei Bewerbungen au\u00dferhalb der Schule ohnehin mehr z\u00e4hlen als Staatsexamina, werden sich dann wohl immer weniger Studenten f\u00fcr ein traditionelles Lehramtsstudium entscheiden. Der Magisterabschlu\u00df d\u00fcrfte dann tendenziell zum wichtigsten Abschlu\u00df werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">-Drittens ist es wahrscheinlich, da\u00df die Bildungspolitiker irgendwann einmal darauf aufmerksam werden, da\u00df eine anwendungsorientierte Fremdsprachenausbildung f\u00fcr Lehrer diese praxisbezogener auf ihren sp\u00e4teren Beruf vorbereiten kann als ein traditionelles philologisches Studium,<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_11_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>\u00a0(11)<\/sup><\/a>\u00a0welches nur solange gerechtfertigt war, wie der hohe Bildungsanspruch des deutschen Gymnasiums von den Bildungspolitikern und Reformern noch nicht zu Grabe getragen worden war.<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_12_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>\u00a0(12)<\/sup><\/a>\u00a0Entsprechende anwendungsorientierte, praxisbezogene Studieng\u00e4nge, in denen auf Sprach-, Landes- und Kulturkenntnisse gr\u00f6\u00dferer Wert gelegt werden wird als auf eine traditionelle Ausbildung in Sprach- und Literaturwissenschaft, werden dann sowohl in den Staatsexamensstudieng\u00e4ngen wie auch in den Curricula f\u00fcr Magisterstudieng\u00e4nge mit den \u00e4lteren Angeboten konkurrieren und diese langfristig zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Irgendwann wird man dann vielleicht auch einmal feststellen, da\u00df das, was dann noch von der traditionellen philologischen Lehrerausbildung \u00fcbriggeblieben sein wird, auch von den Fachhochschulen oder den P\u00e4dagogischen Hochschulen &#8211; und zwar wesentlich billiger und effizienter &#8211; geleistet werden k\u00f6nnte.<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_13_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>(13)<\/sup><\/a><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Viele Fachvertreter werden diese Entwicklung bedauern oder sie zu verhindern versuchen. Kurzfristig mag es so zu gegenl\u00e4ufigen Tendenzen kommen. Die sich versch\u00e4rfende Konkurrenz um Mittel- und Stellenzuweisungen, der Versuch, m\u00f6glichst viele Studenten f\u00fcr das eigene Seminar zu \u00abwerben\u00bb,<a href=\"http:\/\/lusitanistik.de\/DISKUSSI\/THESEN\/thesen.htm#N_14_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><sup>\u00a0(14)<\/sup><\/a>\u00a0der Wandel von \u00abSeminaren\u00bb eines Bildungsfachs zu Ausbildungsst\u00e4tten, die sich auch um sp\u00e4tere Berufsaussichten ihrer Absolventen Gedanken machen zu m\u00fcssen glauben, die absehbare Vereinheitlichung der Studieng\u00e4nge und Berufsabschl\u00fcsse in der Europ\u00e4ischen Union und nicht zuletzt die zentrifugalen Kr\u00e4fte, die ein personell und hinsichtlich des Publikationsaussto\u00dfes zu gro\u00df gewordenes, intern gro\u00dfteils bereits l\u00e4ngst in Einzelphilologien ausdifferenziertes und von einem einzelnen kaum noch zu \u00fcberschauendes Fach wie die Romanistik automatisch hervorbringt, werden die Entwicklung wahrscheinlich dennoch langfristig in die aufgezeigte Richtung treiben.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Nachdruck aus: Dietrich Briesemeister \/ Axel Sch\u00f6nberger (Hrsg.):<i>Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektiven der deutschsprachigen Lusitanistik: Standpunkte und Thesen,<\/i>Frankfurt am Main: TFM, 1998, S. 97-109.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Anmerkungen:<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_1_\"><\/a>1. Ich danke Matthias Perl, Thomas M. Scheerer und Klaus Zimmermann f\u00fcr einige Anregungen zu nachstehendem Text.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_2_\"><\/a>2. Matthias Perl: \u00abZur Situation der deutschen Hochschullusitanistik (Geschichte, Kontexte, Aktuelles)\u00bb, in:\u00a0<i>Lusorama<\/i>\u00a032 (M\u00e4rz 1997), S. 102-114; Klaus Zimmermann: \u00abDie Krise der Lusitanistik (und Romanistik): ein Diskussionbeitrag\u00bb, in:\u00a0<i>Lusorama<\/i>\u00a033 (Juni 1997), S. 73-84.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_3_\"><\/a>3. Vgl. Rainer Schl\u00f6sser: \u00abAnmerkungen zur &#8216;Krise&#8217; der Romanistik\u00bb, in:\u00a0<i>Lusorama<\/i>\u00a034 (Oktober 1997), S. 61-67; Hans-Ingo Radatz: \u00abIst die &#8216;Krise der Romanistik&#8217; vielleicht nur eine &#8216;Krise einiger Romanisten&#8217;?\u00bb, in:\u00a0<i>Lusorama<\/i>\u00a034 (Oktober 1997), S. 68-77; Johannes Kramer: \u00abLusitanistik abseits der Romanistik: ein Holzweg\u00bb, in:\u00a0<i>Lusorama<\/i>34 (Oktober 1997), S. 78-83. Vgl. zu den Ausf\u00fchrungen von H.-I. Radatz bez\u00fcglich der fehlenden Motivation mancher Studienanf\u00e4nger auch Kurt Reumann: \u00abDer Teilzeitstudent\u00bb, in:\u00a0<i>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/i>, 9. August 1997, S. 1: \u00abWer Geld verdienen mu\u00df, kann, wer sich vergn\u00fcgt, will seine Kraft nicht voll aufs Studium lenken.\u00bb So verwundert es auch nicht, da\u00df immer mehr Studenten die vorlesungsfreie Zeit mit \u00abSemesterferien\u00bb verwechseln, die sie f\u00fcr Urlaubszwecke und zum Geldverdienen anstatt zum Studieren nutzen. Da\u00df man ein Lesestudium wie das Romanistikstudium nicht in der Regelstudienzeit abschlie\u00dfen kann, wenn man nur w\u00e4hrend des Semesterbetriebs studiert, sondern die intensive Lekt\u00fcre in der vorlesungsfreien Zeit ebenso dazugeh\u00f6rt wie die Einsicht, da\u00df das Pensum bei mehr als sechs bis sieben Wochen Urlaub pro Jahr oder Vollzeitarbeit eigentlich nicht bew\u00e4ltigt werden kann, mu\u00df auch einmal gesagt werden. Wer aus Notwendigkeit oder zur Erf\u00fcllung seiner privaten Konsumw\u00fcnsche w\u00e4hrend seines Studiums darauf angewiesen ist, in nennenswertem Umfang Geld zu verdienen, mu\u00df sich eben darauf einstellen, da\u00df sein Studium entsprechend l\u00e4nger dauert.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_4_\"><\/a>4. Axel Sch\u00f6nberger: \u00abEt multum et multa: zur Hispanistik-Diskussion in\u00a0<i>Tranv\u00eda<\/i>\u00bb, in:\u00a0<i>Tranv\u00eda\u00a0<\/i>20 (M\u00e4rz 1991), S. 65-67 [Nachdruck in vorliegendem Sammelband]. Mit der von mir dort vorgeschlagenen Dreiteilung (Gesamtromanistik, Einzelphilologien &#8211; Sprach- und Literaturwissenschaft nur einer romanischen Sprache &#8211; und praxis- und anwendungsorientierte Fremdsprachen- und Landeskundeausbildung, letzteres durchaus auch ohne Lateinkenntnisse und vielleicht eher auf Fachhochschulniveau denkbar) k\u00f6nnte man Ans\u00e4tze wie die von Klaus Zimmermann einerseits und Johannes Kramer, Hans-Ingo Radatz sowie Rainer Schl\u00f6sser andererseits durchaus miteinander verbinden. Warum soll man eigentlich nicht die Studenten w\u00e4hlen lassen, ob sie lieber die traditionelle Romanistik oder nur eine Einzelphilologie oder vielleicht sogar nur einen praxisorientierten Minimalstudiengang auf Fachhochschulniveau studieren wollen? Die Romanistik kann an den meisten Universit\u00e4ten nur gewinnen, wenn die Seminare mit romanistischer Ausrichtung im Grundstudium hierdurch etwas weniger frequentiert werden und dadurch insgesamt wieder ein h\u00f6heres Niveau m\u00f6glich wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_5_\"><\/a>5. Johannes Kramer: \u00abVielleicht ein Zukunftsmodell: Romanistik in der Forschung, Romania-Studien in der Lehre\u00bb, in:\u00a0<i>Grenzg\u00e4nge<\/i>\u00a03\/6 (1996), S. 22-33; Brigitte Schlieben-Lange: \u00abThesen zur Romanistik &#8211; Stellungnahme\u00bb, in:\u00a0<i>Grenzg\u00e4nge<\/i>\u00a03\/6 (1996), S. 41-46.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_6_\"><\/a>6. Konrad Schoell: \u00abEin Wort zur Lage\u00bb, in:\u00a0<i>Mitteilungen des Deutschen Romanistenverbandes<\/i>\u00a01997\/1 (=<i>Mitteilungen des Frankoromanistenverbandes<\/i>1\/1997), S. 117-124.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_7_\"><\/a>7. Der Begriff steht schon lange im\u00a0<i>Literaturwissenschaftlichen W\u00f6rterbuch f\u00fcr Romanisten<\/i>, s. v. \u00abRomanistik, Romanische Philologie\u00bb (Rainer Hess \/ Gustav Siebenmann \/ Mireille Frauenrath \/ Tilbert Stegmann, T\u00fcbingen: Francke,\u00a0<sup>3<\/sup>1989, S. 390-395, hier S. 391). Die in den letzten Jahren auch zu lesende, unsch\u00f6ne Hybridbildung \u00abFranz\u00f6sistik\u00bb f\u00e4llt aus dem Rahmen der Bezeichnungen f\u00fcr die anderen Philologien (man sagt ja auch nicht \u00abPortugiesistik\u00bb, \u00abSpanistik\u00bb oder \u00abItalienistik\u00bb, sondern Lusitanistik, Hispanistik und Italianistik, folglich auch Franzistik) und w\u00e4re au\u00dferdem nicht in andere Sprachen \u00fcbertragbar, w\u00e4hrend die anderen Begriffe bereits internationale Verwendung finden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_8_\"><\/a>8. Michael Nerlich hat vor kurzem zwei engagierte Pl\u00e4doyers daf\u00fcr ver\u00f6ffentlicht, das Franz\u00f6sische weiterhin als Kernbereich der deutschen Romanistik anzusehen und insbesondere die \u00abfrankophobe\u00bb Fachgeschichte der deutschen Romanistik aufzuarbeiten (\u00ab\u00dcberlegungen zur Romanistik am Ende des 20. Jahrhunderts\u00bb, in:\u00a0<i>Grenzg\u00e4nge: Beitr\u00e4ge zu einer modernen Romanistik<\/i>\u00a03\/6 [1996], S. 15-21; \u00abRomanistik: von der wissenschaftlichen Kriegsmaschine gegen Frankreich zur komparatistischen Konsolidierung der Frankreichforschung\u00bb, in:\u00a0<i>Cahiers d&#8217;Histoire des Litt\u00e9ratures Romanes &#8211; Romanistische Zeitschrift f\u00fcr Literaturgeschichte<\/i>\u00a020\/3-4 [1996], S. 396-436). Sein an zweiter Stelle genannter Aufsatz schlie\u00dft mit einem f\u00fcr die Romanistik wahrscheinlich zu optimistischen Postscriptum, und seine Ausf\u00fchrungen in erstgenanntem Aufsatz messen gleichfalls Frankreich eine Bedeutung zu, die diesem Land heute wohl nicht mehr zukommt. Vgl. z.\u00a0B. S. 20: \u00ab[\u2026] Forderungen nach Emanzipation der nationalen Einzelbereiche entgegen, die mehr oder weniger offen auf Liquidierung des romanistischen Fachverbunds zielen. Diese Forderungen sind kurzsichtig und mittel- und l\u00e4ngerfristig suizid\u00e4r-verheerend f\u00fcr alle heute noch institutionell verbundenen Bereiche der Romanistik, was am Beispiel des Franz\u00f6sischen ganz besonders evident wird. Um das zu verstehen, ist zun\u00e4chst einmal die gr\u00f6\u00dfte und wichtigste Ver\u00e4nderung im Vergleich mit der Gr\u00fcndungsphase der Romanistik ins Auge zu fassen: Das Franz\u00f6sische ist nicht mehr die erste internationale (Fremd-)Sprache, sondern eine eher und bedauerlicherweise zunehmend unbedeutender werdende Regionalsprache, der vor allem das Englische und das Spanische entgegenstehen (vom Chinesischen usw. aus verschiedenen Gr\u00fcnden hier ganz zu schweigen). Diesem Entwertungsproze\u00df der franz\u00f6sischen Sprache steht diametral die politische Bedeutung entgegen, die Frankreich f\u00fcr Deutschland unter europapolitischen Gesichtspunkten besitzt [\u2026]\u00bb. Dem ist entgegenzuhalten, da\u00df die politische Bedeutung Frankreichs, obschon zur Zeit aus historischen Gr\u00fcnden noch wichtig, entgegen aller politischen Sch\u00f6nwetterreden f\u00fcr Deutschland nach dem Jahr 1989 best\u00e4ndig abnimmt (vgl. z. B. G\u00fcnther Nonnenmacher: \u00abDer Motor stottert\u00bb, in:\u00a0<i>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/i>, 5. Juli 1997, S. 1); langfristig d\u00fcrften wohl innovative Industriel\u00e4nder wie Japan und die USA f\u00fcr die deutsche Au\u00dfen- und Wirtschaftspolitik wichtiger werden als europ\u00e4ische Nachbarstaaten wie Frankreich oder die Niederlande. Kulturell ist bereits jetzt zu vermerken, da\u00df die englischsprachige Kultur in Deutschland dominiert und die franz\u00f6sischsprachige Literatur, Musik etc. nur eine geringe Attraktivit\u00e4t besitzt. Auch die vielzitierte deutsch-franz\u00f6sische Freundschaft scheint nach Presseberichten der j\u00fcngeren MTV-Generation zunehmend egal zu sein. Leider werden Sprecherzahlen und Wirtschaftsdaten zuk\u00fcnftig wohl gewichtiger sein als kulturelle Traditionen; da\u00df gerade Frankreich im 21. Jahrhundert daher einen weiteren relativen wirtschaftlichen Bedeutungsverlust hinnehmen m\u00fcssen wird, zeichnet sich f\u00fcr einen aufmerksamen Leser der OECD-Jahresberichte bereits jetzt deutlich ab.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_9_\"><\/a>9. Vgl. hierzu auch die einzelnen Aufs\u00e4tze in: Andreas Boeckh \/ Rafael Sevilla (Hrsg.):\u00a0<i>Bestandsaufnahme und Perspektiven der deutsch-brasilianischen Beziehungen<\/i>, Frankfurt am Main: TFM, 1997 (Biblioteca Luso-Brasileira; 3); darin insbesondere die Ausf\u00fchrungen des brasilianischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland, Roberto Abdenur (\u00abDie deutsch-brasilianischen Beziehungen: \u00fcbereinstimmende strategische Interessen\u00bb, S. 13-26): \u00abAbschlie\u00dfend sei nochmals hervorgehoben, da\u00df im deutsch-brasilianischen Verh\u00e4ltnis zur Zeit ein Proze\u00df wachsender Ann\u00e4herung und \u00dcbereinstimmung im Gang ist. Die bilateralen Beziehungen nehmen an Dynamik zu, diversifizieren und wandeln sich in bemerkenswerter Weise. Jedes Land f\u00fcr sich gewinnt im internationalen Gef\u00fcge an Bedeutung und Selbstsicherheit. Als Kapital- und Technologiegeber sowie als Handelspartner ist Deutschland f\u00fcr Brasilien von ganz entscheidender Bedeutung. Auch bei der Gestaltung des k\u00fcnftigen Verh\u00e4ltnisses zwischen Mercosul und Europ\u00e4ischer Union spielt Deutschland eine gewichtige Rolle. Brasilien wird seinerseits auch f\u00fcr die deutsche Seite immer wichtiger. Ausschlaggebend hierf\u00fcr ist eine deutliche Erholung der Wirtschaft, die sich wie nie zuvor dem Ausland \u00f6ffnet, sowie der starke Einflu\u00df des Landes auf die subregionalen und kontinentalen Integrationsprozesse in Amerika. Andererseits ist Deutschland f\u00fcr die weitere Entwicklung Brasiliens von grundlegender Bedeutung. Brasilien ist wiederum f\u00fcr Deutschland und seine Stellung in der globalisierten Wirtschaft von ebenso fundamentaler Wichtigkeit. Aus diesem Grunde k\u00f6nnen wir meiner Ansicht nach heute mit Fug und Recht von einer echten\u00a0<i>strategischen Partnerschaft<\/i>\u00a0zwischen beiden L\u00e4ndern sprechen, die \u00fcber das bilaterale Verh\u00e4ltnis hinaus auf den europ\u00e4ischen und amerikanischen Kontinent ausstrahlt.\u00bb (S. 26).<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_10_\"><\/a>10. Diese Entwicklung ist auch durch die Sparma\u00dfnahmen der \u00d6ffentlichen Hand und die elektronische Vernetzung der Bibliotheken bedingt. Ein deutsch geschriebenes romanistisches Fachbuch wird von immer weniger Bibliotheken gekauft, ein nennenswerter privater Markt existiert in den meisten Bereichen nicht. Je mehr Bibliotheken in Verbundnetze integriert und Sparzw\u00e4ngen unterworfen werden, desto gr\u00f6\u00dfer wird der Druck auf die Verlage, entweder den Autoren entsprechende Zusch\u00fcsse abzuverlangen oder aber f\u00fcr den gr\u00f6\u00dferen englisch- bzw. spanischsprachigen Markt zu produzieren.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_11_\"><\/a>11. In diese Richtung zielt schon die Vorlage des Sekretariats der St\u00e4ndigen Konferenz der Kultusminister der L\u00e4nder in der Bundesrepublik Deutschland \u00abZur Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern f\u00fcr Fremdsprachen: Textelemente zum Berichtsentwurf des UAL\u00bb (18 S.), die mit Datum vom 30. Juni 1997 als \u00abVorlage f\u00fcr die 48. Sitzung des UAL am 03.\/04. 07. 1997, Ziff. 4\u00bb ausgewiesen ist. Die derzeitige Ausbildung von Fremdsprachenlehrern an den Universit\u00e4ten wird dort als nicht schulrelevant kritisiert (vgl. z.\u00a0B. S. 3: \u00abDie Freiheit von Forschung und Lehre, die Polyvalenz zahlreicher Lehrangebote wie auch der allgemeine Grundsatz der Exemplarit\u00e4t der zu erbringenden Studienleistungen f\u00fchren nicht selten dazu, da\u00df die Fremdsprachenlehrerausbildung an den Hochschulen den schulischen Bed\u00fcrfnissen im engeren Sinne nur wenig Rechnung tr\u00e4gt. Ohne ein Mindestma\u00df an &#8216;Schulrelevanz&#8217; des Studiums [Alternative: Ohne schulrelevante Studienanteile] mu\u00df aber die Ausbildung defizit\u00e4r bleiben.\u00bb); es wird unter anderem eine deutliche Reduzierung des Anteils der Literaturwissenschaft in Lehramtsstudieng\u00e4ngen und stattdessen eine Erh\u00f6hung der Anteile von Sprachwissenschaft, Sprachpraxis, Landeskunde und Fachdidaktik gefordert. Veranstaltungen im Lehramtsstudium sollen zuk\u00fcnftig vermehrt in den jeweiligen Fremdsprachen gehalten werden<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_12_\"><\/a>12. Vgl. hierzu auch den Kommentar von Konrad Adam: \u00abSpalierobst schneiden\u00bb, in:\u00a0<i>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/i>, 3. Juli 1997, S. 1.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_13_\"><\/a>13. Vgl. hierzu auch Ursula Vences \/ Renate Schmidt: \u00abWerden Lehrerinnen und Lehrer k\u00fcnftig nicht mehr an der Universit\u00e4t ausgebildet?\u00bb, in:\u00a0<i>Hispanorama<\/i>\u00a077 (August 1997), S. 155-156.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><a name=\"N_14_\"><\/a>14. Versuche, alten Wein in neuen Schl\u00e4uchen zu verkaufen, werden aber wohl nicht den gew\u00fcnschten Erfolg bringen, zumal dann, wenn es sich um gepanschten Wein schlechter Qualit\u00e4t handelt. Ein geradezu symptomatisches Beispiel, wie durch Umetikettierung versucht wird, \u00abkonkurrenzf\u00e4hige\u00bb neue Studieng\u00e4nge aus dem Boden zu stampfen, findet sich in der 1997 vom Deutschen Romanistenverband herausgegebenen Brosch\u00fcre\u00a0<i>Alternative Studieng\u00e4nge<\/i>\u00a0auf den S. 34-35: Die Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck hat einen Studiengang \u00abEurop\u00e4ische Studien\u00bb (Abschlu\u00df: Magister\/Magistra Rerum Europae &#8211; sic statt \u00abEuropaearum, wie es im Lateinischen hier normalerweise hei\u00dfen w\u00fcrde) ins Leben gerufen, der das slawische und skandinavische Europa offenbar komplett ignoriert und Europa auf den englisch- und romanischsprachigen Bereich zu reduzieren scheint, wobei romanische Sprachen wie Galicisch oder Katalanisch offensichtlich gleichfalls ausgeblendet werden, ja sogar nicht einmal die Hispanistik in Osnabr\u00fcck bisher in nennenswertem Umfang vertreten ist. Studenten, die sich einen derartigen, auf wenige westeurop\u00e4ische Sprachen und Kulturen konzentrierten Studiengang als Weg zur Erlangung von \u00abEuropakompetenz\u00bb verkaufen lassen, werden sehen m\u00fcssen, ob eine derartige \u00abEuropakompetenz\u00bb auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Axel Sch\u00f6nberger (Bremen) Thesen zur weiteren Entwicklung der Romanistik\u00a0(1) Mit nachstehenden Thesen m\u00f6chte ich einen Beitrag zu der von Matthias Perl und Klaus Zimmermann in\u00a0Lusoramabegonnenen\u00a0(2)\u00a0und in dieser Ausgabe von Rainer Schl\u00f6sser, Hans-Ingo Radatz und Johannes Kramer fortgesetzten\u00a0(3)\u00a0Diskussion liefern. 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