{"id":197,"date":"2017-11-20T19:35:52","date_gmt":"2017-11-20T18:35:52","guid":{"rendered":"http:\/\/romanistisches-kolloquium.de\/dlv\/?page_id=197"},"modified":"2017-11-20T19:41:05","modified_gmt":"2017-11-20T18:41:05","slug":"situation","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/was-ist-lusitanistik\/wissenschaftsgeschichte\/situation\/","title":{"rendered":"Situation"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">Matthias Perl (Mainz)<\/p>\n<h1><b>Zur Situation der deutschen Hochschullusitanistik<\/b><\/h1>\n<p class=\"bodytext\"><b>Geschichte, Kontexte, Aktuelles<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">An der Universit\u00e4t Jena fand vom 28. 9. bis 2. 10. 1997 die vom Romanistischen Dachverband (RDV) veranstaltete Tagung \u00abRomania I\u00bb unter dem Motto \u00abZukunft der Romanistik &#8211; Romanistik der Zukunft\u00bb statt. Fast alle romanistischen Fachverb\u00e4nde haben ihre Fachtagungen in das gemeinsame Dach dieser Tagung eingebracht. Lediglich der Deutsche Italianistenverband (DIV) fehlte; der \u00e4ltere, mitgliederst\u00e4rkere und einflu\u00dfreichere Italianistenverband, der Fachverband Italienisch in Wissenschaft und Unterricht, beteiligte sich dagegen ebenfalls in vollem Umfang an \u00abRomania I\u00bb. Ich kann den DIV, der als einziger Fachverband Distanz zu dem gesamtromanistischen Konzept der Tagung zeigt, gut verstehen, da die Eigenst\u00e4ndigkeit einzelner Verb\u00e4nde mittlerweile so gro\u00df ist, da\u00df eine R\u00fcckkehr zu gesamtromanistischen Tagungen wohl keinen Sinn hat.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Zur Ausgestaltung der Tagung wurden den einzelnen Fachverb\u00e4nden entsprechend ihren eigenen Vorschl\u00e4gen Sektionen zur Verf\u00fcgung gestellt. Nun ist gegen eine gemeinsame Tagung der romanistischen Einzelverb\u00e4nde gewi\u00df nichts einzuwenden, noch dazu, wenn man wei\u00df, da\u00df erstmals auch Veranstaltungen des neu gegr\u00fcndeten Frankoromanistenverbandes stattfinden werden und nunmehr auch deutlich werden sollte, da\u00df Romanistik, nicht wie noch im 19. Jahrhundert, fast ausschlie\u00dflich die Besch\u00e4ftigung mit dem Franz\u00f6sischen beinhaltet. Noch ist meines Erachtens bisher auch nicht deutlich geworden, welche Aufgaben der alte Deutsche Romanistenverband (DRV) erf\u00fcllen soll, wenn es f\u00fcr jede Einzelphilologie einen eigenen Verband und dar\u00fcber hinaus noch einen Romanistischen Dachverband, dem lediglich die Einzelverb\u00e4nde als juristische Mitglieder angeh\u00f6ren, gibt. Es k\u00f6nnten doch wohl nur komparative linguistische und literaturwissenschaftliche Studien sein.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Deutschland geh\u00f6rt zu den L\u00e4ndern, wo die Gesamtromanistik immer noch &#8211; mit wenigen Ausnahmen (z.\u00a0B. Lateinamerika-Institut der Freien Universit\u00e4t Berlin, Institut f\u00fcr Spanische und Portugiesische Sprache und Kultur sowie Institut f\u00fcr Franz\u00f6sische und Italienische Sprache und Kultur der Universit\u00e4t Mainz in Germersheim) &#8211; an einem Institut verankert ist. Das k\u00f6nnte mit wissenschaftlichen Traditionen begr\u00fcndet werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><i>Departments of Spanish and Portuguese<\/i>\u00a0bzw. solche f\u00fcr Franz\u00f6sisch und Italienisch gibt es nicht nur in den anglophonen L\u00e4ndern. Man ist dort wohl ehrlicher als bei uns. Wer in Berufungsverfahren mitgearbeitet hat, wei\u00df, da\u00df kaum ein Bewerber gleicherma\u00dfen drei oder gar mehr romanische Sprachen und deren Literaturen oder deren Sprachwissenschaft beherrscht. Das Bem\u00fchen, hierzu und dazu etwas zu publizieren, um breit berufbar zu sein, kann dazu f\u00fchren, da\u00df bei spezieller beschriebenen Stellen, wie z.\u00a0B. f\u00fcr Iberoromanische Literaturen, kaum entsprechende Kenntnisse unter anderem f\u00fcr Portugiesisch vorhanden sind. Einige Bewerber versuchen dann, die Stelle selbst neu zu definieren bzw. sichern zu, da\u00df sie in k\u00fcrzester Zeit die erforderliche Qualifikation erwerben wollen. F\u00fcr die Lusitanistik ist dies meist nur ein Lippenbekenntnis, da eine zu starke Besch\u00e4ftigung mit dem Portugiesischen bei einer sp\u00e4teren Bewerbung auf eine allgemeiner beschriebene Stelle von Nachteil sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Bei der Professionalisierung ihrer Disziplinen haben die Romanisten meines Erachtens den Anschlu\u00df verpa\u00dft. W\u00e4hrend es seit etwa zwei Jahrzehnten eine klare Trennung von Anglistik und Amerikanistik gibt und Niederlandistik oder Skandinavistik nicht mehr der Germanistik untergeordnet werden, hat sich in der Romanistik wenig getan. Es wird Zeit, da\u00df man konsequent alte Muster ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Geschichte der Disziplinen Romanistik, Hispanistik und Lusitanistik ist durchaus verschieden, wie ich in den folgenden \u00dcbersichten zeigen m\u00f6chte.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Romanistik<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Als 1833 an der Universit\u00e4t Halle die erste ordentliche Professur f\u00fcr romanische Sprachen und Literaturen im deutschsprachigen Raum eingerichtet wurde, mu\u00dfte der Stelleninhaber, Ludwig Gottfried Blanc, haupts\u00e4chlich Veranstaltungen zum Franz\u00f6sischen, Italienischen und Spanischen anbieten, der ebenfalls eingestellte Lektor Hollmann bot Sprachunterricht in Franz\u00f6sisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Latein, Holl\u00e4ndisch und Englisch an (vgl. Voretzsch 1926: 18).<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die erste ordentliche romanistische Professur war mit der Absicht, von der \u00abblo\u00dfen Sprachmeisterei\u00bb abzugehen und zu einer wissenschaftlichen Besch\u00e4ftigung der romanischen Sprachen zu gelangen, geschaffen worden. Schon bald aber zeigte es sich, da\u00df die nun \u00fcberall in Deutschland geschaffenen romanistischen Professuren meist von Philologen besetzt wurden, die\u00a0<i>vergleichende<\/i>Lehrveranstaltungen zu den romanischen Sprachen und Literaturen anboten, dabei vor allem Franz\u00f6sisch und Italienisch, manchmal auch Spanisch, einbezogen und die anderen romanischen Sprachen in der Regel unber\u00fccksichtigt lie\u00dfen. Bereits im 19. Jahrhundert war evident, da\u00df viele Romanisten eigentlich nur eine romanische Sprache gut beherrschten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die bemerkenswerten Leistungen der deutschsprachigen historisch-vergleichenden romanischen Sprachwissenschaft im 19. Jahrhundert, die eng mit den Namen Friedrich Diez, Gustav Gr\u00f6ber und Hugo Schuchardt verbunden sind, haben dazu gef\u00fchrt, da\u00df die deutschsprachigen Romanisten noch heute als Wegbereiter und Pioniere dieses Faches angesehen werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Besch\u00e4ftigung mit Gebieten der \u00abAltromanistik\u00bb und der vergleichenden romanischen Sprach- bzw. Literaturwissenschaft bleibt an den meisten deutschsprachigen Universit\u00e4ten Hauptarbeitsgebiet der Inhaber romanistischer Lehrst\u00fchle, jedoch ohne R\u00fccksicht auf die sich ver\u00e4ndernden Anforderungen der Berufspraxis.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Man kann also eine gewisse Traditionslinie sehen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts anf\u00e4ngt, in der Zeit der ersten Einrichtungen von romanistischen Professuren an deutschen Universit\u00e4ten, die in einigen F\u00e4llen bis heute beibehalten wurden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die verst\u00e4rkte Besch\u00e4ftigung mit dem Franz\u00f6sischen aufgrund der Anforderungen des damaligen neusprachlichen Schulunterrichts sowie die Betonung komparativer Aspekte in der Romanistik, auch in Anlehnung an eine damals das Wissenschaftsparadigma dominierende historisch-vergleichende allgemeine Sprachwissenschaft, haben sich erhalten k\u00f6nnen, obwohl bereits Ende des 20. Jahrhunderts eigentlich andere Anforderungen an ein Studium der romanischen Sprachen h\u00e4tten gestellt werden m\u00fcssen. Die Besch\u00e4ftigung mit sprachlichen Ph\u00e4nomenen unter komparativer Sicht wurde im 20. Jahrhundert fortgesetzt, unter anderem in zahlreichen Einf\u00fchrungswerken in die romanische Sprachwissenschaft oder bei der vergleichenden Untersuchung von Einzelproblemen in mehreren romanischen Sprachen, ein auch noch heute aus meist taktischen Gr\u00fcnden (Berufungsm\u00f6glichkeiten!) beliebtes Thema.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Hispanistik<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Das Spanieninteresse und die Anf\u00e4nge einer eigenst\u00e4ndigen Hispanistik im 19. Jahrhundert resultieren weniger aus einem Spezialisierungsbed\u00fcrfnis der deutschsprachigen Philologen und Literaten als vielmehr in Entsprechung der praktischen Interessen und Notwendigkeiten wie Handel, Diplomatie und Reiseverkehr.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u00abF\u00fcr deutsche Katholiken diente nat\u00fcrlich das katholische Spanien mit seiner gro\u00dfen kulturellen Vergangenheit auch dazu, gegen\u00fcber den kulturell seinerzeit dominierenden deutschen Protestanten die durchaus nicht fraglos akzeptierte \u00abKulturf\u00e4higkeit\u00bb des Katholizismus im 19. Jahrhundert nachzuweisen\u00bb (Tietz 1988: 139).<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die deutschen Kaufleute, die sich im 19. Jahrhundert verst\u00e4rkt in Spanien niederlie\u00dfen, bauten in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts in den wichtigsten spanischen Ballungszentren, wie Madrid, Barcelona, Sevilla, M\u00e1laga, Val\u00e8ncia und San Sebasti\u00e1n leistungsf\u00e4hige Handelsh\u00e4user auf, die in den neunziger Jahren und zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Markt f\u00fcr bestimmte Produkte fast v\u00f6llig beherrschten. Hervorzuheben sind die Gr\u00fcndungen st\u00e4dtischer Elektrizit\u00e4tsgesellschaften, die in ihrer Anfangsphase fast \u00fcberall von deutschen Unternehmen aufgebaut worden waren. Im Umfeld entstanden deutsche Klubs und deutsche Schulen (vgl. die Aufs\u00e4tze in Tietz 1989).<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In Deutschland wurden nun auch verst\u00e4rkt Reisef\u00fchrer, W\u00f6rterb\u00fccher und Hilfsmittel f\u00fcr die Handelst\u00e4tigkeit verlegt. Da aber weiterhin Englisch und Franz\u00f6sisch als neuere Schulsprachen angeboten wurden, spielte das Spanische in den meisten Romanischen Seminaren bis in die 20er Jahre unseres Jahrhunderts weiterhin nur eine unbedeutende Rolle (vgl. auch hierzu die Aufs\u00e4tze in Tietz 1989 sowie Perl \/ Pfeiffer 1988).<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Erst auf dem Jenaer Philologentag vom 27. bis 30. September 1921 und auf dem Allgemeinen deutschen Neuphilologentag 1922 in N\u00fcrnberg wurde die baldige Einf\u00fchrung des Spanischen als sogenanntes Wahlpflichtfach in den Schulen und die besondere Ausrichtung romanistischer Professuren auf das Spanische gefordert (vgl. Schulz 1923). Bereits 1924 hatte der Spanischunterricht an den h\u00f6heren Schulen, vor allem in den Hansest\u00e4dten, an Umfang und Bedeutung gewonnen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im Vergleich zu Frankreich oder den USA waren die deutschen Bem\u00fchungen zum Ausbau des Spanischstudiums jedoch eher bescheiden. Im Juni 1924 fand die erste deutsche B\u00fccherschau in Madrid statt. W\u00e4hrend au\u00dferhalb der Hochschulen den praktischen Bed\u00fcrfnissen der verst\u00e4rkten Beziehungen zu Spanien entsprochen wurde, richtete sich das Interesse der deutschen Hochschulhispanistik noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein auf das Spanien des Siglo de Oro.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich eine Verlegert\u00e4tigkeit zu iberischen und iberoamerikanischen Themen, die dann nicht mehr abbrechen sollte. So gab Friedrich Johann Justin Bertuch (1747-1822) im Jahre 1780 das\u00a0<i>Magazin der spanischen und portugiesischen Literatur<\/i>heraus, publizierte zwei Jahre sp\u00e4ter seine\u00a0<i>Altspanischen Romanzen<\/i>\u00a0und arbeitete an der\u00a0<i>Allgemeinen Literaturzeitung<\/i>(ALZ) mit, die unter anderem dazu beigetragen hatte, das allgemeine Interesse f\u00fcr Spanien, Portugal und Iberoamerika zu erh\u00f6hen. Auch die Beziehungen einzelner deutscher Regionen zur spanisch- bzw. portugiesischsprachigen Welt verst\u00e4rkten sich im 19. Jahrhundert (vgl. Zeuske \/ Schr\u00f6ter \/ Ludwig 1995).<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im Jahre 1912 wurde in Aachen das Deutsch-S\u00fcdamerikanische Institut gegr\u00fcndet, 1917 folgte in Hamburg die Gr\u00fcndung des Ibero-amerikanischen Instituts und 1930 wurde in Berlin ein weiteres Ibero-Amerikanisches Institut gegr\u00fcndet. Wurden an den damals 23 deutschen Universit\u00e4ten im Wintersemester 1919 insgesamt lediglich 50 Wochenstunden zu Themen Lateinamerikas, Spaniens und Portugals gehalten, so waren es 1928 bereits 187 und 1934 im Sommersemester sogar 263. W\u00e4hrend 1919 nur die Universit\u00e4ten Berlin, Bonn, Breslau, Frankfurt am Main, Freiburg i. Br., Hamburg, Heidelberg, K\u00f6ln, Leipzig, M\u00fcnchen, M\u00fcnster und W\u00fcrzburg derartige Veranstaltungen anboten, sind f\u00fcr 1934 an allen 23 deutschen Universit\u00e4ten iberoromanische Themen zu verzeichnen (vgl. Bock 1934\/35: 375). Die Hispanistik und Iberoromanistik entwickeln sich zunehmend als eigenst\u00e4ndige Gebiete, besonders an den Universit\u00e4ten Berlin, Hamburg und K\u00f6ln.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Lusitanistik<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Das Portugiesische, wie auch das Rum\u00e4nische, stand im Lehrangebot der Romanischen Seminare meist am Rande. Selten gab es im 19. Jahrhundert eine \u00fcber die Lekt\u00fcre der Lusiaden von Cam\u00f5es hinausgehende intensivere Besch\u00e4ftigung mit lusitanistischen Themen, wenn man einmal von vergleichenden Grammatikuntersuchungen absieht, wo Portugiesisch aufgrund seiner komplizierten grammatischen Formen als Kuriosum meist einbezogen wurde.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Der Ansto\u00df zur Entwicklung der deutschen Lusitanistik kommt daher nicht von den Hochschulen und entspricht auch nicht den Erfordernissen des neusprachlichen Unterrichts im 19. Jahrhundert. Vielmehr sind es sehr praktische Gr\u00fcnde, die besonders im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit der verst\u00e4rkten Auswanderung nach Brasilien zu sehen sind.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Schon vor der brasilianischen Unabh\u00e4ngigkeit 1822 gab es deutsche Handelskontakte zur damaligen portugiesischen Kolonie. 1927 schlossen deutsche Handelsvertreter mit Brasilien zahlreiche Vertr\u00e4ge ab. Bis 1890 gingen circa 54\u00a0000 Deutsche nach Brasilien. Im Umfeld des Handels und zur sprachlichen Vorbereitung der Auswanderer entstanden zahlreiche einschl\u00e4gige Publikationen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die bereits genannten Institutsgr\u00fcndungen in Aachen, Hamburg und Berlin entsprachen auch dem nun aufkommenden, verst\u00e4rkten Interesse an kulturellen und wissenschaftlichen Kontakten. Dennoch mu\u00df erw\u00e4hnt werden, da\u00df besonders in S\u00fcdbrasilien von deutscher Seite viel getan wurde, um die deutsche Sprache und die Kultur der deutschsprachigen Einwanderer auch weiterhin zu erhalten. Ein H\u00f6hepunkt war hier zweifelsohne der ab 1900 m\u00f6gliche Beitritt von zahlreichen protestantischen Gemeinden zur \u00abEvangelischen Landeskirche der \u00e4lteren Provinzen in Preu\u00dfen\u00bb sowie zeitgleiche \u00dcberlegungen zur Eingliederung der drei s\u00fcdbrasilianischen Bundesstaaten in das Deutsche Reich.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Als Brasilien dann im Zweiten Weltkrieg Deutschland den Krieg erkl\u00e4rte, waren die Sanktionen gegen alle deutschen Institutionen, vor allem gegen Einrichtungen der evangelischen Kirche, besonders streng. Erst in den letzten zehn Jahren zeichnet sich hier eine Entspannung ab, die dazu gef\u00fchrt hat, da\u00df das Interesse am Deutschstudium nunmehr wieder ansteigt, wie ich aus eigener Erfahrung aus Porto Alegre und Novo Hamburgo berichten kann.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts nahmen die deutsch-portugiesischen Beziehungen zu. 1926 wurde ein Handelsvertrag zwischen Deutschland und Portugal unterzeichnet, 1927 nahm Deutschland im portugiesischen Au\u00dfenhandel bereits die zweite Stelle ein. Verbunden mit den Handelsbeziehungen gab es nun auch ein verst\u00e4rktes Interesse an kulturellen und wissenschaftlichen Kontakten. Am Zustandekommen dieser Beziehungen hat unter anderem die Deutsche Carolina Michaelis de Vasconcelos, die von 1911 bis 1925 den Lehrstuhl f\u00fcr Germanistik an der Universit\u00e4t Coimbra innehatte, einen entscheidenden Anteil. Sie arbeitete sowohl auf literaturwissenschaftlichem als auch auf sprachwissenschaftlichem Gebiet und nutzte ihren Einflu\u00df einerseits in Portugal, um dort die Einrichtung eines Instituts zur Pflege deutsch-portugiesischer Beziehungen voranzutreiben, aber auch, um andererseits in Deutschland das Interesse an der portugiesischen Sprache und Kultur zu erh\u00f6hen. 1925 wurde in Coimbra das Deutsche Institut und gleichzeitig die erste deutsche Buchausstellung in Portugal er\u00f6ffnet. Die Beziehungen zwischen den Universit\u00e4ten Hamburg und Coimbra haben dann die deutsche Hochschullusitanistik ingesamt weiter vorangebracht.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Nachdem zu Beginn der drei\u00dfiger Jahre Deutsch als Pflichtfach an den portugiesischen Schulen eingef\u00fchrt worden war, \u00e4u\u00dferte 1931 der Gesandte Portugals in Berlin, Costa Cabral, den Wunsch nach einem entsprechenden \u00abAusgleich\u00bb in Deutschland durch die Gr\u00fcndung portugiesischer Lektorate.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Nach Hamburg und Berlin waren mit der Gr\u00fcndung des Portugiesisch-Brasilianischen Instituts in K\u00f6ln, des neuen Instituts f\u00fcr Portugal und Brasilien in Berlin, des 1935 gegr\u00fcndeten Centro de Cultura Luso-brasileira in Hamburg und der Lektorate an den Universit\u00e4ten Jena und Bonn in den drei\u00dfiger Jahren mehrere Einrichtungen mit einem lusitanistischen Schwerpunkt entstanden. Neben Sprachkursen, die weiterhin den gr\u00f6\u00dften Raum einnahmen, waren Sprach- und Literaturgeschichte der iberischen L\u00e4nder und dar\u00fcber hinaus, au\u00dferhalb der Romanischen Seminare, Themen der Geographie, Landeskunde, Wirtschaft und Geschichte spanisch- und portugiesischsprachiger L\u00e4nder vertreten. In den vierziger Jahren erh\u00f6hte sich das Angebot von Themen zu den spanisch- und portugiesischsprachigen L\u00e4ndern noch einmal, bedingt durch die politische N\u00e4he Portugals und Spaniens zu Deutschland.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Kontexte<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg brachte auch f\u00fcr die deutschsprachige Romanistik, Hispanistik und Lusitanistik getrennte Entwicklungswege.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Eine gesamtromanistische Ausbildung (Diplom-Romanistik) gab es in der DDR nur an den Universit\u00e4ten in Berlin und Leipzig und auch dort nach der Hochschulreform von 1968 nur sehr unregelm\u00e4\u00dfig. Romanische Sprachen wurden somit v\u00f6llig anders vermittelt als in der alten Bundesrepublik, n\u00e4mlich in Kombination mit nichtromanischen Sprachen oder v\u00f6llig anderen F\u00e4chern, besonders in den Studieng\u00e4ngen f\u00fcr Lehrer an Oberschulen und Lehrer f\u00fcr Erwachsenenbildung. Das f\u00fchrte dazu, da\u00df ein Lehrer f\u00fcr Erwachsenenbildung f\u00fcr Portugiesisch (1. Fach) in einem vierj\u00e4hrigen Regelstudium z.\u00a0B. 187 Wochenstunden portugiesische Sprachwissenschaft belegen mu\u00dfte, w\u00e4hrend ein Romanistikstudent lediglich 84 Stunden Sprachwissenschaft pro Einzelsprache nachzuweisen hatte. Somit war ein Lehrer f\u00fcr Erwachsenenbildung viel umfangreicher als Lusitanist ausgebildet als ein Romanist, der auch Portugiesisch studiert hatte. Viele dieser Absolventen sind heute an Universit\u00e4ten im gesamten Bundesgebiet, im diplomatischen Dienst oder als Leiter von Sprachschulen t\u00e4tig.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Kombination von romanischen Sprachen mit nichtromanischen war also in der DDR durchaus normal. Eine iberoromanische, auf Lateinamerika bezogene Ausbildung gab es nur an der Universit\u00e4t Rostock. Sie wurde mit der Abwicklung der Rostocker Lateinamerika-Sektion nach der Wiedervereinigung Deutschlands beendet.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Losl\u00f6sung der romanischen Einzelsprachen entsprach der Planung des sp\u00e4teren Berufseinsatzes, da f\u00fcr Romanisten kaum Arbeitsmarktchancen bestanden, Lehrer f\u00fcr Erwachsenenbildung ebenso wie Dolmetscher und \u00dcbersetzer jedoch leichter vermittelt werden konnten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die heute von einigen westdeutschen Fachkollegen zu h\u00f6rende Kritik, da\u00df ostdeutsche Romanisten keine oder nur ungen\u00fcgende Lateinkenntnisse h\u00e4tten, trifft nicht immer zu und mu\u00df wohl etwas differenzierter gesehen werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Abiturienten der neusprachlichen und nat\u00fcrlich der altsprachlichen Zweige der erweiterten Oberschulen hatten in den 60er Jahren noch fast immer Latein als Pflichtfach (neben meist drei weiteren Sprachen und einer kompletten naturwissenschaftlichen Ausbildung). Erst danach (Mitte der 70er Jahre) wurde der Lateinunterricht drastisch reduziert. F\u00fcr diese Absolventen besteht durchaus Nachholbedarf, den es nat\u00fcrlich ebenso f\u00fcr sehr viele Abiturienten aus einigen westdeutschen Bundesl\u00e4ndern &#8211; insbesondere Absolventen der westdeutschen Gesamtschulen &#8211; gibt, die ebenfalls ohne Lateinkenntnisse das Studium romanischer Sprachen aufgenommen haben. Einen Nachholbedarf ganz anderer Art gibt es auch f\u00fcr viele Romanisten an westdeutschen Universit\u00e4ten, die zum Teil nur \u00fcber rudiment\u00e4re Englischkenntnisse verf\u00fcgen, die aber z.\u00a0B. in der internationalen Hispanistik eine Grundvoraussetzung zum Verstehen der Fachliteratur darstellen. Stattdessen wird von deutschen Frankoromanisten immer wieder gerne behauptet, da\u00df in der Hispanistik das Franz\u00f6sische die wichtigste Sprache der Sekund\u00e4rliteratur sei, was nachweislich schon lange nicht mehr zutrifft.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Auch an westdeutschen Universit\u00e4ten konnten sich &#8211; unter v\u00f6llig anderen Bedingungen &#8211; Studieng\u00e4nge mit romanischen Einzelsprachen etablieren. War es f\u00fcr die Diplom-Dolmetscher- und Diplom-\u00dcbersetzerausbildung die Kombination der Sprachen Spanisch und Englisch an verschiedenen Universit\u00e4ten, ging man in Gie\u00dfen und Passau mit der Einf\u00fchrung der Studieng\u00e4nge Kulturwirt bzw. der M\u00f6glichkeit der freien Zuwahl eines Fachs zum Spanischen oder Portugiesischen neue Wege. Hispanistik und Lusitanistik sind also nicht mehr Teil einer \u00fcbergreifenden Romanistik, sondern an vielen Universit\u00e4ten eigenst\u00e4ndige F\u00e4cher.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In diesem Zusammenhang mu\u00df betont werden, da\u00df der Arbeitsmarkt f\u00fcr Absolventen eines Sprachstudiums gleich welcher Art f\u00fcr das Spanische oder Portugiesische absolut identisch ist, wenn man von den sehr wenigen Diplom-Romanisten bzw. Magistern einmal absieht, die wiederum den Nachwuchs f\u00fcr die Hochschulromanistik stellen (vgl. Perl \/ Messner 1996). Auch mu\u00df der vagen Vorstellung \u00fcber die Studieninhalte von Dolmetschern und \u00dcbersetzern die klare Aussage gegen\u00fcbergestellt werden, da\u00df Sprach- und Literaturwissenschaft in diesen Studieng\u00e4ngen nat\u00fcrlich ebenso gefordert sind. In der Diplompr\u00fcfung m\u00fcssen z.\u00a0B. in Germersheim (Universit\u00e4t Mainz) mindestens drei Gebiete der portugiesischen Sprachwissenschaft und weitere drei der portugiesischen Literatur- bzw. Kulturwissenschaft gepr\u00fcft werden. Erfahrungsgem\u00e4\u00df haben die Studierenden aber meist die doppelte Anzahl von Veranstaltungen besucht und w\u00e4hlen dann jeweils drei Gebiete aus. Bei Portugiesisch als erstem Fach ist das nat\u00fcrlich viel mehr, als die meisten Romanischen Seminare anbieten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Bei der Neustrukturierung der ostdeutschen Romanischen Institute nach 1989 wurden immerhin zehn Professuren mit einem iberoromanischen bzw. spanischen oder portugiesischen Schwerpunkt eingerichtet. Nur dort, wo meist s\u00fcddeutsche Berater die Stellenbeschreibung vorgenommen hatten, wurde die alte Beschreibung nach den drei vorgeblichen romanischen Hauptsprachen weitergef\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Es soll nicht unerw\u00e4hnt bleiben, da\u00df einige Bewerber den Anforderungen der iberoromanischen Stellen nicht gewachsen waren und in Berufungsverhandlungen sogar die Stellenbeschreibungen so ver\u00e4ndern konnten, da\u00df die allgemeinere Beschreibung wieder eingef\u00fchrt wurde bzw. Gebiete nach hinten wegverhandelt werden konnten. Einige Stellen wurden auch mit Fachkollegen besetzt, die bisher auf dem Gebiet der Iberoromanistik kaum ausgewiesen waren.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">1993 gab es ca. 20\u00a0000 Spanischstudenten in Deutschland. 1990 meldeten 29 von 34 deutschsprachigen Universit\u00e4ten mit entsprechendem Angebot steigende Studentenzahlen f\u00fcr Spanisch, 5 stagnierende, keine einzige Universit\u00e4t aber r\u00fcckl\u00e4ufige Zahlen. Das hei\u00dft, da\u00df an 83,5\u00a0% der deutschsprachigen Universit\u00e4ten die Spanischausbildung ansteigt. Das Interesse am Portugiesischen stieg zur gleichen Zeit an 13 deutschsprachigen Universit\u00e4ten, stagnierte an 7 und ging zumindest an keiner Universit\u00e4t signifikant zur\u00fcck. Leider hat sich diese Tendenz in den letzten beiden Jahren nicht fortsetzen k\u00f6nnen, da zwar der Arbeitsmarkt nicht schlechter oder besser als f\u00fcr einige andere Sprachen ist, die Nichtaufnahme von Portugiesisch als Schulsprache &#8211; von wenigen Ausnahmen abgesehen &#8211; jedoch entsprechende Folgen hat. An den Schulen dagegen scheint das Interesse f\u00fcr das Spanische &#8211; \u00fcbrigens ebenso wie die Sch\u00fclerzahlen im Fach Franz\u00f6sisch &#8211; in den letzten Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig zu sein, was sich vor allem in Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland mit dem gr\u00f6\u00dften Spanischangebot an Gymnasien und Gesamtschulen, deutlich bemerkbar macht.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">An mehreren Universit\u00e4ten steht Spanisch bereits heute nach Englisch als zweitwichtigste moderne Fremdsprache vor Franz\u00f6sisch und Italienisch. Eine Diversifizierung des Angebots einer dritten Sprache an den Gymnasien w\u00fcrde an den Universit\u00e4ten, wo das Spanischstudium kein Numerus-Clausus-Fach ist, zweifellos zu einer noch h\u00f6heren Einschreibquote f\u00fcr Spanisch f\u00fchren, wie dies f\u00fcr Nordrhein-Westfalen bereits zu registrieren war. Die hierf\u00fcr vorhandenen Hindernisse sind jedoch kaum \u00fcberwindbar. In Frankreich dagegen lernen circa 5000 Sch\u00fcler Portugiesisch als dritte Fremdsprache. Hinzu kommen noch einmal etwa 7000 Sch\u00fcler, die diese Sprache in einem Fernkurs erlernen. Dabei handelt es sich keineswegs ausschlie\u00dflich um Kinder portugiesischer Gastarbeiter.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die St\u00e4rkung der romanistischen Einzelphilologien und die Weiterentwicklung von Spezialgebieten sollte endlich als eine notwendige Aufgabe erkannt werden, um die Arbeitsmarktchancen der Studierenden zu verbessern. Dieses Ziel kann meines Erachtens nur erreicht werden, wenn die Gleichsetzung von Romanistik und Franz\u00f6sischstudium \u00fcberwunden werden kann, zugunsten von unterschiedlichen Schwerpunkten wie z.\u00a0B. Iberoromanistik, Hispanistik, Brasilianistik, Lusitanistik, Katalanistik etc. Das Anh\u00e4ngen eines dieser Gebiete an die Franzistik, die seit einigen Jahren auch mit der Hybridbildung \u00abFranz\u00f6sistik\u00bb bezeichnet wird (auch \u00abFrankoromanistik\u00bb wird zur Zeit verwandt), bringt meist einen bemerkenswerten Niveauunterschied mit sich. Da hilft es auch nichts, wenn ein Bewerber oder eine Bewerberin auf eine iberoromanische Professur einen spanischen oder portugiesischen Satz bei einem Probevortrag einbaut, um die gesamtromanistische Breite zu dokumentieren.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die jetzt von der portugiesischen Botschaft in Bonn ausgehende Initiative zum Aufbau von lusitanistischen Zentren an deutschen Universit\u00e4ten ist sehr zu begr\u00fc\u00dfen, m\u00fc\u00dfte aber bei den zust\u00e4ndigen deutschen Stellen mit mehr Entgegenkommen rechnen k\u00f6nnen. Auch hat sich gezeigt, da\u00df ein Portugalzentrum nicht sofort mehr Studenten anzieht. Hier spielen regionale Bedingungen und Traditionen eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Kritisch m\u00fcssen auch die Forschungsleistungen der deutschsprachigen hispanistischen und lusitanistischen Sprachwissenschaft angesehen werden. Die Wiedervereinigung Deutschlands brachte f\u00fcr die ostdeutschen Universit\u00e4ten auch eine schonungslose Evaluierung der verschiedenen Fachgebiete durch den Bonner Wissenschaftsrat. An keiner ostdeutschen Universit\u00e4t konnte die hispanistische Sprachwissenschaft als bemerkenswert eingestuft werden. V\u00f6llig anders sah dagegen die Bewertung der portugiesischen Sprachwissenschaft aus, wo man in den entsprechenden Gutachten feststellte, da\u00df die in Leipzig aufgebauten Spezialgebiete zur Afrolusitanistik und Kreolistik international f\u00fchrend waren, ebenso wie die Studien zur portugiesischen Grammatik an der Technischen Universit\u00e4t Dresden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Leider steht eine Evaluierung der westdeutschen Romanischen Seminare und Institute noch aus und wird wahrscheinlich auch nicht erfolgen. Die allgemeinromanistische Orientierung hat an vielen Universit\u00e4ten dazu gef\u00fchrt, da\u00df herausragende hispanistische oder lusitanistische Leistungen kaum zu finden sind. Keine westdeutsche Universit\u00e4t konnte bisher ein eigenst\u00e4ndiges lusitanistisches Profil auf dem Gebiet der Sprach- oder Literaturwissenschaft entwickeln, da eine Konzentration auf lusitanistische Forschungsthemen aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich oder nicht gewollt war.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Besser sieht es in der hispanistischen Sprachwissenschaft aus. Hier ist an erster Stelle die Universit\u00e4t Freiburg i. Br. zu nennen, wo es gelungen ist, exakte theoretische Studien zur gesprochenen Sprache auf das Spanische anzuwenden. Die Mainzer Besch\u00e4ftigung mit s\u00fcdamerikanischen Spanischvariet\u00e4ten im Rahmen eines sprachgeographischen Forschungsprojekts, die Heidelberger Arbeiten zu \u00e4lteren Spanischvariet\u00e4ten und zur Geschichte des amerikanischen Spanisch sowie das Augsburger Projekt eines W\u00f6rterbuch des Amerikaspanischen sind hier ebenfalls hervorzuheben. Sonst sind es eigentlich nur Einzelwissenschaftler, die ab und an eine k\u00fcrzere oder auch umfangreichere Publikation verfassen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Au\u00dferhalb Deutschlands sind derartige Arbeiten, wenn sie in deutscher Sprache erschienen sind, fast v\u00f6llig unbekannt, da deutsches Schrifttum im Bereich der Hispanistik oder Lusitanistik international nur noch selten gelesen wird. Die Einbeziehung des Spanischen in allgemeinere theoretische Untersuchungen m\u00f6chte ich nicht zur spanischen Sprach- und Literaturwissenschaft rechnen, da oft nur exemplarisch auf das Spanische zur\u00fcckgegriffen wird. Hierbei denke ich an die zahlreichen Untersuchungen zur Valenz und Dependenz im Verbalbereich oder an Spracherwerbsstudien, die man ebenso mit Hilfe von Beispielen aus anderen Sprachen h\u00e4tte durchf\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die fehlende Konzentration der Kr\u00e4fte auf das Spanische und Portugiesische als Einzelsprachen hat meines Erachtens zu einer Vernachl\u00e4ssigung gef\u00fchrt, die es beispielsweise in der hispanistischen Sprachwissenschaft der USA oder Frankreichs nicht gibt. Als erfolgversprechende Forschungsthemen sollten, auch in Fortsetzung von Traditionen einzelner Universit\u00e4ten, die Besch\u00e4ftigung mit Sprachkontakten des Spanischen und Portugiesischen in Amerika angesehen werden, besonders an Universit\u00e4ten, wo eine Kooperation mit Altamerikanisten und Afrikanisten m\u00f6glich ist. Hier hat es in der Vergangenheit herausragende Arbeiten deutscher Gelehrter gegeben. Die Beschreibung von Variet\u00e4ten des Spanischen und Portugiesischen und deren Vermittlung in der Lehre w\u00fcrde ich als weiteres wichtiges Arbeitsgebiet ansehen, um den Studierenden zu verdeutlichen, da\u00df die Systemlinguistik zwar f\u00fcr die Vermittlung von Fremdsprachen wichtig ist, die Existenzformen einer Einzelsprache aber erheblich vom gelernten Modell abweichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Konfrontative Untersuchungen und Studien zur gesprochenen Sprache w\u00e4ren weiterhin als interessante Arbeitsgebiete zu nennen.\u00a0<i>Last but not least<\/i>\u00a0ist auch an die Auswertung der zahlreichen Quellen zu denken, die noch heute in einigen deutschen Archiven liegen. Ich denke dabei an die umfangreichen Schriften deutscher protestantischer Missionare, die Sprachbeschreibungen enthalten, die es eben nur in den jeweiligen Archiven gibt und die selbst in den bereisten L\u00e4ndern nicht vorhanden sind, wie z.\u00a0B. in Nicaragua, Suriname oder anderen Gebieten der Karibik.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Iberoromanistik und ihre einzelnen Gebiete umfassen heute so viele Bereiche, da\u00df eine Abdeckung aller kaum erwartet werden kann. Umso mehr ist es eine Illusion, eine Gesamtbeherrschung der romanischen Sprach- bzw. Literaturwissenschaft anzustreben. Hier ist einfach mehr Ehrlichkeit gefordert, die bei Bewerbungen leider noch nicht immer honoriert wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Den Studienanf\u00e4ngern sollte auch noch deutlicher vermittelt werden, welche Universit\u00e4t f\u00fcr welche Gebiete besonders bekannt und empfehlenswert ist. Hinweise hierf\u00fcr k\u00f6nnen aus den Vorlesungsverzeichnissen, aber auch aus den Publikationen der Wissenschaftler und den internationalen Austauschbeziehungen einer Hochschule entnommen werden. Ich m\u00f6chte hier nur exemplarisch einige deutsche Universit\u00e4ten nennen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Aus den Vorlesungsverzeichnissen zum Sommersemester 1996 wird deutlich, da\u00df man gem\u00e4\u00df dem lusitanistischen Lehrangebot heute die deutschen Universit\u00e4ten in vier Gruppen einteilen kann. Alle Angaben habe ich Endruschat (1996) entnommen. Nicht gemeldete Aktivit\u00e4ten konnten daher auch nicht ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">1.Universit\u00e4ten ohne lusitanistisches Angebot: z.\u00a0B. Bamberg, Bayreuth, Greifswald, Osnabr\u00fcck, Stuttgart.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">2.Universit\u00e4ten, die nur Sprachkurse zum Portugiesischen anbieten: Aachen, Braunschweig, Dresden, Essen, Magdeburg, Paderborn, Potsdam, Siegen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">3.Universit\u00e4ten, die ein \u00abkleines\u00bb wissenschaftliches Programm zum Portugiesischen anbieten: Augsburg, Bochum, Duisburg, Eichst\u00e4tt, Gie\u00dfen, G\u00f6ttingen, Halle, Jena, Mannheim, Marburg, Passau, Wuppertal, W\u00fcrzburg.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">4.Universit\u00e4ten, die ein \u00abgro\u00dfes\u00bb wissenschaftliches Programm zum Portugiesischen anbieten: Freie Universit\u00e4t Berlin, Humboldt-Universit\u00e4t Berlin, Bonn, Frankfurt am Main, Freiburg i. Br., Hamburg, Heidelberg, K\u00f6ln, Leipzig, Mainz, M\u00fcnchen, M\u00fcnster, Rostock, Trier, T\u00fcbingen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Lusitanistische Hauptseminare bieten nur folgende Universit\u00e4ten an: Freie Universit\u00e4t Berlin, Humboldt-Universit\u00e4t Berlin, Frankfurt am Main, Freiburg i. Br., Gie\u00dfen, G\u00f6ttingen, Halle, Hamburg, Heidelberg, K\u00f6ln, Leipzig, Mainz, M\u00fcnster, Rostock, Trier, W\u00fcrzburg.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Bibliographie<\/p>\n<p><\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Bock, Hans-Joachim (1934\/1935): \u00abDas spanisch-portugiesische Kulturgebiet an den deutschen Hochschulen im WS 1934\/35\u00bb, in:\u00a0<i>Ibero-Amerikanisches Archiv<\/i>\u00a08, S. 371-375.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Endruschat, Annette (1996): \u00abLehrveranstaltungen zum Portugiesischen im Sommersemester 1996 an deutschsprachigen Universit\u00e4ten: Teil 1\u00bb, in:\u00a0<i>Mitteilungen des Deutschen Lusitanistenverbandes<\/i>\u00a07, S. 13-29.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Kalwa, Erich (1995): \u00abDie portugiesische Literatur in Lehre und Forschung an deutschen Universit\u00e4ten im 19. Jahrhundert: ein Beitrag zur Entstehung und Entwicklung der deutschen Lusitanistik\u00bb, in:\u00a0<i>Lusorama<\/i>\u00a026 (M\u00e4rz 1995), S. 5-71.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Perl, Matthias (1992): \u00abDas tradi\u00e7\u00f5es da lusitan\u00edstica nas universidades da Alemanha Oriental\u00bb, in:\u00a0<i>Mare Liberum<\/i>\u00a04 (Lisboa), S. 97-104.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Perl, Matthias \/ Pfeiffer, Gudrun (1988): \u00abZu den Traditionen der Lusitanistik im deutschsprachigen Raum (unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Universit\u00e4t Leipzig)\u00bb, in: Bochmann, Klaus \/ Perl, Matthias \/ Wotjak, Gerd (Hrsg.) (1988):<i>Leipziger Romanistische Beitr\u00e4ge<\/i>, Leipzig: Karl-Marx-Universit\u00e4t, 1988, S. 32-48.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Perl, Matthias \/ Pfeiffer, Gudrun (1990): \u00abGedanken zur Entwicklung der lusitanistischen Lehre und Forschung an den deutschen Universit\u00e4ten (bis 1945)\u00bb, in: Sch\u00f6nberger, Axel \/ Scotti-Rosin, Michael (Hrsg.) (1990):\u00a0<i>Zur Wissenschaftsgeschichte der deutschsprachigen Lusitanistik<\/i>, Frankfurt am Main: TFM; Domus Editoria Europaea, S. 41-53.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Perl, Matthias \/ Messner, Dieter (1996): \u00abDiskussionsrunde zu Arbeitsmarktchancen von Portugiesischabsolventen in \u00d6sterreich und Deutschland\u00bb, in:\u00a0<i>Lusorama<\/i>\u00a031, S. 135-136.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Schulz, W. (1923): \u00abSpanisch, die dritte Weltsprache\u00bb, in:\u00a0<i>Wegzeichen f\u00fcr Erziehung und Unterricht<\/i>\u00a08 (Leipzig), S. 26-27.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Tietz, Manfred (1989): \u00abDas theologisch-konfessionelle Interesse an Spanien im 19. Jahrhundert\u00bb, in: Tietz, Manfred (Hrsg.) (1989):\u00a0<i>Das Spanieninteresse im deutschen Sprachraum: Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Hispanistik vor 1900<\/i>, Frankfurt am Main: Vervuert, S. 93-103.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Voretzsch, Karl (1904):\u00a0<i>Die Anf\u00e4nge der Romanischen Philologie an den deutschen Universit\u00e4ten und ihre Entwicklung an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen<\/i>, T\u00fcbingen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Voretzsch, Karl (1926):\u00a0<i>Das Romanische Seminar der Vereinigten Friedrichs-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg im ersten Halbjahrhundert seines Bestehens<\/i>, Halle.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Zeuske, Michael \/ Schr\u00f6ter, Bernd \/ Ludwig, J\u00f6rg (Hrsg.) (1995):\u00a0<i>Sachsen und Lateinamerika: Begegnungen in vier Jahrhunderten<\/i>, Frankfurt am Main: Vervuert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthias Perl (Mainz) Zur Situation der deutschen Hochschullusitanistik Geschichte, Kontexte, Aktuelles An der Universit\u00e4t Jena fand vom 28. 9. bis 2. 10. 1997 die vom Romanistischen Dachverband (RDV) veranstaltete Tagung \u00abRomania I\u00bb unter dem Motto \u00abZukunft der Romanistik &#8211; Romanistik&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/was-ist-lusitanistik\/wissenschaftsgeschichte\/situation\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":64,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-197","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=197"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/197\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":198,"href":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/197\/revisions\/198"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/64"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}