{"id":243,"date":"2017-11-20T20:04:58","date_gmt":"2017-11-20T19:04:58","guid":{"rendered":"http:\/\/romanistisches-kolloquium.de\/dlv\/?page_id=243"},"modified":"2017-11-20T20:04:58","modified_gmt":"2017-11-20T19:04:58","slug":"portraet-der-hamburg-lusitanistik","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/lusitanistenverband.de\/pt\/lusitanistentage\/hamburg-2013\/portraet-der-hamburg-lusitanistik\/","title":{"rendered":"Portr\u00e4t der Hamburg Lusitanistik"},"content":{"rendered":"<h1>Portr\u00e4t der Hamburger Lusitanistik1<\/h1>\n<p class=\"bodytext\">Die Hamburger Lusitanistik ist \u00e4lter als die Universit\u00e4t Hamburg und sogar \u00e4lter als das\u00a0<i>Seminar f\u00fcr Romanische Sprachen und Kultur<\/i>, das im Jahre 1911 im\u00a0<i>Hamburgischen Kolonialinstitut<\/i>\u00a0(1908-1919) eingerichtet wurde. Das sehr gegenwarts- und praxisbezogene\u00a0<i>Hamburgische Kolonialinstitut<\/i>\u00a0war die erste staatliche Hochschule der Freien und Hansestadt Hamburg, deren wissenschaftliche Institute schlie\u00dflich 1919 in der neugegr\u00fcndeten Universit\u00e4t Hamburg aufgingen. Dort wurde die portugiesische Sprache von Beginn an, also seit 1908 gelehrt, und zwar von Luise Ey, deren Freundschaft mit Carolina Micha\u00eblis de Vasconcelos sie \u00fcber ihre Lehrt\u00e4tigkeit hinaus als Freundin und F\u00f6rderin portugiesischer Kultur bekannt machte.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Praxis- und Anwendungsorientierung bedeutete von Anfang an eine recht starke Ausrichtung auf eine kulturkundliche bzw. auslandskundliche Konzeption des Seminars, die auch \u00f6konomische, soziale und politische Aspekte umfasste und eine direkte Bindung an die konkreten Interessen der Klientel des Kolonialinstituts implizierte. Von Anfang an war die Hamburger Romanistik relativ deutlich unterteilt in eine Abteilung f\u00fcr die franz\u00f6sische und italienische Romania und eine Abteilung, die sich mit der iberischen und der iberoamerikanischen Romania besch\u00e4ftigte. Diese Unterscheidung ging zur\u00fcck auf den ersten Direktor des Romanischen Seminars, Bernhard Sch\u00e4del, der 1916 pers\u00f6nlich an der Gr\u00fcndung des Hamburgischen Ibero-Amerikanischen Vereins, einer Vereinigung hamburgischer Kaufleute, beteiligt war und 1917 das Ibero-Amerikanische Institut Hamburg ins Leben rief, mit ihm selbst als Direktor des Romanischen Seminars, des Ibero-Amerikanischen Vereins und des Ibero-Amerikanischen Instituts in Personalunion. Der Dialektologe und Sprachgeograph Sch\u00e4del r\u00fcckte von Anfang an Lateinamerika mit in den Fokus. Die Schwerpunktsetzung seiner Art von Sprachwissenschaft war die \u201eRealienkunde\u201c, wobei unter \u201eRealien\u201c durchaus auch Handwerkstraditionen, gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse, etc. verstanden wurden. Zeichnungen und Photographien erg\u00e4nzten die sprachwissen\u00adschaftlichen Untersuchungen, und dies setzte sich auch bei seinen Nachfolgern Fritz Kr\u00fcger und Wilhelm Giese fort. Auch sie interessieren sich vor allem f\u00fcr das Sammeln, Klassifizieren und Ordnen von Materialien, in einer Art Korpuslinguistik, wobei die theoretische Reflexion nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben scheint. Das Ibero-Amerikanische Institut wurde 1928 aus der Universit\u00e4t ausgegliedert und in eine Stiftung \u00f6ffentlichen Rechts \u00fcberf\u00fchrt, zu dessen Direktor man Rudolf Grossmann berief, ein Linguist und Literaturwissenschaftler. Von 1924-1930 unterhielt das Institut auch eine eigene Publikation, namentlich die\u00a0<i>Iberica. Zeitschrift f\u00fcr spanische und portugiesische Auslandskunde<\/i>. Das bedeutet, romanistische Sprachwissenschaft \u2013 mit besonderem Akzent auf einer archaisierenden Volkskunde \u2013 sowie romanistische Literaturwissenschaft (die in erster Linie nach Frankreich orientiert war) wurden im Seminar f\u00fcr romanische Sprachen und Kultur angeboten, die ibero-romanische Gegenwartskunde hingegen, gab es nur im Ibero-amerikanischen Institut au\u00dferhalb der Universit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Als die Universit\u00e4t Hamburg nach dem Krieg zum Wintersemester 1945\/46 wiederer\u00f6ffnet wurde, avancierte der urspr\u00fcnglich hispanistisch ausgewiesene Gesamtromanist (i.e. Literaturwissenschaftler und Linguist) Hellmuth Petriconi zur f\u00fchrenden Figur des nunmehr \u201aRomanischen Seminars\u2018, in das das Ibero-Amerikanische Institut als eigenst\u00e4ndige Abteilung integriert wurde, immer noch mit Rudolf Grossmann als Direktor. Zu seinem Nachfolger wurde 1963 Hans Flasche berufen, der u.a. ein gro\u00dfes lusitanistisches Editionsprojekt mit nach Hamburg brachte, n\u00e4mlich die textkritische und kommentierte Edition der Predigten des Padre Antonio Vieira. Dieses Vorhaben, das u.a. zu mehreren Dissertationen und kleineren Publikationen f\u00fchrte, konnten jedoch nicht vollst\u00e4ndig zu Ende gef\u00fchrt werden. Danach hielten Klaus R\u00fchl und Heinz Willi Wittschier die Fahne der lusitanistischen Literaturwissenschaft hoch, w\u00e4hrend J\u00fcrgen Meisel die Hamburger lusitanistische Linguistik international sichtbar machte. Mit den Berufungen von Martin Neumann (2000), Markus Klaus Sch\u00e4ffauer (2007) und Maria Goldbach (2012) ist die Hamburger Lusitanistik personell und inhaltlich im Moment vergleichsweise recht gut aufgestellt, wartet aber noch auf eine eigentlich zugesagte Juniorprofessur, die auf der Kippe steht.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">W\u00e4hrend die wissenschaftliche Besch\u00e4ftigung mit der Lusitanistik in Hamburg gelegentlich wei\u00dfe Flecken aufweist, hat der portugiesische Sprachunterricht eine von Anfang an fast ununterbrochene Kontinuit\u00e4t. Als der portugiesische Staat das ICALP (Instituto de Alta Cultura) gr\u00fcndete und begann, Portugiesischlektorate im Ausland finanziell zu unterst\u00fctzen, bekam Hamburg 1931 seinen ersten Lektor portugiesischer Nationalit\u00e4t, Manuel Paiva Bol\u00e9o, der sp\u00e4ter Professor f\u00fcr romanistische Linguistik an der Universit\u00e4t Coimbra wurde. Weitere ber\u00fchmte Namen, die als Vermittler portugiesischer Sprache und Literatur in Hamburg gewirkt haben, sind Eduardo Louren\u00e7o (1953-54) oder Jo\u00e3o Barrento (1965-1968). 1968 wurde Maria de F\u00e1tima Brauer-Figueiredo als Lektorin nach Hamburg entsandt, die nach der Einstellung der finanziellen Unterst\u00fctzung aus Portugal im Jahr 1979 als Portugiesischlektorin in die Dienste der Universit\u00e4t Hamburg trat und bis zu ihrer Pensionierung im Herbst 2008 mit ganzem Herzblut die portugiesische Sprache und Kultur nicht nur an der Universit\u00e4t, sondern auch in der Freien und Hansestadt Hamburg und weit \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus vertrat. Am 1. April 2002 schlie\u00dflich konnte nach langen Vorarbeiten und intensiven Absprachen mit dem Instituto Cam\u00f5es \u2013 das seit 1992 f\u00fcr den Portugiesischunterricht zun\u00e4chst in den Universit\u00e4ten und sp\u00e4ter in Einrichtungen aller Bildungsgrade sowie der Verbreitung der portugiesischsprachigen Kulturen im Ausland verantwortlich ist \u2013 an der Universit\u00e4t Hamburg das in Deutschland immer noch einzige Centro de L\u00edngua Portuguesa er\u00f6ffnet werden, das kurze Zeit sp\u00e4ter auch mit einer Lektorenstelle ausgestattet wurde, so dass Hamburg in der gl\u00fccklichen Lage ist, den Portugiesisch-Sprachunterricht auf der Basis von zwei Lektorenstellen anbieten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">In den letzten Jahren hat das Studium der Lusitanistik \u2013 nach einem merklichen Einbruch bei der Einf\u00fchrung der Bologna-Studieng\u00e4nge, als alle sprachlernintensiven F\u00e4cher vor\u00fcbergehend weniger nachgefragt wurden \u2013 in Hamburg einen ausgesprochenen Boom erfahren. Im Sommersemester 2011 studierten insgesamt 135 Studierende als Haupt-, Neben- oder Promotionsfach Portugiesisch (auslaufende alte und neue Studieng\u00e4nge), dazu kamen noch diejenigen, die im Rahmen des Studiengangs \u201eLateinamerikastudien\u201c (brasilianisches) Portugiesisch sowie die literaturwissenschaftlichen oder linguistischen Grundlagen der Lusitanistik lernten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im Moment verf\u00fcgt das Hamburger Institut f\u00fcr Romanistik \u00fcber insgesamt dreizehn Lehrende im Bereich der Lusitanistik: Bei den Professoren vertreten Markus Sch\u00e4ffauer und Martin Neumann die Literaturwissenschaft und Maria Goldbach die Linguistik. Wissenschaftliche Mitarbeiter und Lehrbeauftragte f\u00fcr die Literaturwissenschaft sind Joachim Michael, Isabel Francisco, Marita Rainsborough und Suzana Vasconcelos de Melo, f\u00fcr die Linguistik Marc-Olivier Hinzelin; eine weitere linguistische Mitarbeiterstelle von Maria Goldbach wird demn\u00e4chst besetzt. In der Sprachpraxis unterrichten V\u00e2nia Kahrsch als Lektorin der Universit\u00e4t Hamburg und Marino Adolfo de Souza Filho als Lehrbeauftragter brasilianisches Portugiesisch und Madalena Sim\u00f5es als Lektorin des Instituto Cam\u00f5es sowie Sofia Unkart, Leonor Hebekerl und Ot\u00edlia Dias als Lehrbeauftragte f\u00fcr europ\u00e4isches Portugiesisch. Hier eine kleine \u00dcbersicht \u00fcber die Schwerpunkte in Forschung und Lehre der einzelnen Lehrenden:<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Maria Goldbach<\/b>\u00a0ist gerade frisch auf eine Professur f\u00fcr franz\u00f6sische und portugiesische Linguistik berufen. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte in der Lusitanistik liegen in der Syntax auf leeren Objekten, Fragesatzstrukturen, Topikalisierung und Linksversetzung. In der Morphologie sind es Suffigierungsprozesse, Flektionsklassen und die Schnittstelle zwischen Derivation und Flexion. In der Lehre behandelt sie auch Phonologie und Prosodie.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Martin Neumann<\/b>\u00a0ist Professor f\u00fcr franz\u00f6sische, italienische und portugiesische Literatur. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Aufkl\u00e4rung (Frankreich, Italien, Portugal). Weitere Arbeitsfelder sind zeitgen\u00f6ssische portugiesische Erz\u00e4hler im europ\u00e4ischen Kontext, postkoloniale (franko- und lusophone) Identit\u00e4tsdiskurse sowie die Darstellung von Kolonialkriegen zwischen Fakten und Fiktionen. Er konnte 2002 zusammen mit Maria de F\u00e1tima Brauer-Figueiredo ein\u00a0<i>Centro de L\u00edngua Portuguesa<\/i>\u00a0nach Hamburg holen, das kurze Zeit sp\u00e4ter durch hartn\u00e4ckige Nachverhandlungen vom Instituto Cam\u00f5es mit einem Lektorat ausgestattet wurde. Seit September 2009 ist er Vizepr\u00e4sident des Deutschen Lusitanistenverbandes.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Markus Klaus Sch\u00e4ffauer<\/b>\u00a0ist Professor f\u00fcr spanisch- und portugiesischsprachige Literatur und Medien. Seine Schwerpunkte in der Lehre liegen in brasilianischer Literatur und Medien. In der Forschung besch\u00e4ftigt er sich vornehmlich mit: Kulturen der Gewalt in Afrika und Lateinamerika, sowie Gattungs- und Medientheorie.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Joachim Michael<\/b>\u00a0ist wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. Markus Klaus Sch\u00e4ffauer. Er hat \u00fcber\u00a0<i>Telenovelas. Intermediale Gattungspassagen und kulturelle Z\u00e4sur<\/i>\u00a0promoviert und arbeitet im Moment an einem Habilitationsprojekt. Zu seinen Schwerpunkten z\u00e4hlen die Literatur der portugiesischen und spanischen Expansion und Kolonisierung, die Literaturen des 19. und 20. Jahrhunderts, Forschungen zu Film und Fernsehen, Medienkultur sowie Gewalt\/(post)koloniale Kriege.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Vania Maria Kahrsch<\/b>\u00a0ist Lektorin am Institut f\u00fcr Romanistik seit 2008. Ihre Schwerpunkte im Bereich Sprachdidaktik sind die Variet\u00e4ten des Portugiesischen, der Einsatz des Teletandems sowie interkulturelle Kompetenzen. Ihre Forschungsinteressen richten sich auf Migrationstendenzen in Hafenst\u00e4dten, auf die brasilianische Milit\u00e4rdiktatur und auf Jo\u00e3o Guimar\u00e3es Rosas Beziehungen zu Hamburg in seinem Leben und Werk.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Madalena Sim\u00f5es<\/b>\u00a0ist seit dem Wintersemester 2004\/05 Lektorin des Instituto Cam\u00f5es an den Universit\u00e4ten Hamburg und Rostock. Au\u00dferdem leitet sie in Kooperation mit Prof. Dr. Martin Neumann das\u00a0<i>Centro de L\u00edngua Portuguesa<\/i>\u00a0(CLP). Ihre pers\u00f6nlichen Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der sp\u00e4tantiken griechischen Literatur, der portugiesischen Literatur des 17. und 20. Jahrhunderts, der Geschichte Portugals seit der Nelkenrevolution sowie webbasierte Sprachdidaktik.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Marc-Olivier Hinzelin<\/b>\u00a0ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Romanistik. Er hat \u00fcber\u00a0<i>Die Stellung der klitischen Objektpronomina in den romanischen Sprachen<\/i>promoviert und arbeitet im Moment an einem Habilitationsprojekt zur Verbalmorphologie. Zu seinen Schwerpunkten z\u00e4hlen Syntax und Morphologie, insbesondere in diachroner Perspektive sowie Mehrsprachigkeit und Dialektologie.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Ot\u00edlia Maria das Neves Dias Banda<\/b>\u00a0ist Lehrbeauftragte f\u00fcr Sprachvermittlung (europ\u00e4isches Portugiesisch) und Landeskunde. Sie interessiert sich f\u00fcr die wirtschaftliche und soziale Situation in Portugal und Brasilien, die Gebiete der Lusophonie sowie die Vermittlung von portugiesischer und brasilianischer Grammatik.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Marino Adolfo de Souza Filho<\/b>\u00a0ist Lehrbeauftragter f\u00fcr Sprachvermittlung. Er konzentriert sich auf die brasilianische Variante, ihre kulturellen sowie sprachspezifischen Besonderheiten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Isabel Francisco<\/b>\u00a0ist Lehrbeauftragte f\u00fcr portugiesische und lusophone Literaturwissenschaft. Sie arbeitet an einem Dissertationsprojekt \u00fcber\u00a0<i>Konstruktion(en) von Identit\u00e4t im Werk Helder Macedos<\/i>.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Leonor Hebekerl<\/b>\u00a0ist Lehrbeauftragte f\u00fcr Sprachvermittlung (europ\u00e4isches Portugiesisch) und Landeskunde.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Suzana Vasconcelos<\/b>\u00a0de Melo ist Lehrbeauftragte f\u00fcr brasilianische Literatur. Sie promoviert seit 2008 \u00fcber\u00a0<i>Entfremdung und Fremdheit im modernen Roman am Beispiel von Ang\u00fastia von Graciliano Ramos und Berlin Alexanderplatz von Alfred D\u00f6blin<\/i>.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Marita Rainsborough<\/b>\u00a0ist Lehrbeauftragte f\u00fcr portugiesische und brasilianische Literaturwissenschaft. Sie hat eine Dissertation mit dem Titel\u00a0<i>Die Konstruktion des Subjekts in den Romanen von Rachel de Queiroz \u2013 eine diskursanalytische Untersuchung<\/i>\u00a0eingereicht.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Ana Sofia Unkart<\/b>\u00a0ist Lehrbeauftragte f\u00fcr portugiesische Sprache (europ\u00e4isches Portugiesisch), Kultur und lusophone Literatur. Zu ihren Forschungsschwerpunkten z\u00e4hlen Film- und Kulturwissenschaft. Weitere Arbeitsfelder liegen im Bereich der \u00dcbersetzungspraxis sowie curriculare Entwicklung f\u00fcr die Sprachpraxis.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">*<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die lusitanistische Forschung und Lehre ist insgesamt sehr breit aufgestellt (dass der linguistische Part gegenw\u00e4rtig so schmal aussieht, liegt daran, dass die linguistische Professur von Prof. Dr. J\u00fcrgen Meisel nach seiner Pensionierung 2008 aus verschiedenen Gr\u00fcnden lange Zeit unbesetzt blieb). Zu erw\u00e4hnen ist in diesem Zusammenhang noch der interdisziplin\u00e4re BA-Studiengang Lateinamerikastudien (der konsekutive Master Lateinamerikastudien steht kurz vor seiner Implementierung), in dem die Lusitanistik auch regelhaft mit sprachpraktischen und wissenschaftlichen Veranstaltungen vertreten ist. Auch im Institut f\u00fcr Soziologie war mit dem inzwischen pensionierten Kollegen Prof. Dr. Klaus Eichner ein starker Fokus auf Brasilien vorhanden, das gleiche gilt f\u00fcr die Kollegen Prof. Dr. Sebastian Scheerer vom Institut f\u00fcr kriminologische Sozialforschung oder Prof. Dr. Reinhard Lieberei aus dem Fachbereich Biologie, Abteilung Angewandte Pflanzen\u00f6kologie und Nutzpflanzenbiologie.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Des Weiteren pflegt die Lusitanistik an der Universit\u00e4t Hamburg sehr enge und lebhafte Beziehungen mit anderen Institutionen und Universit\u00e4ten im In- und Ausland. Internationale Kooperationen bestehen in Portugal mit der Universidade de Aveiro, der Universidade Cat\u00f3lica Portuguesa (Lisboa), der Universidade Nova de Lisboa, der Universidade de Coimbra, der Universidade do Porto sowie der Universidade do Minho (Braga). In Brasilien gibt es bilaterale Abkommen mit der Universidade Federal da Para\u00edba (Jo\u00e3o Pessoa), der Universidade Federal de Pernambuco (Recife), der Universidade de S\u00e3o Paulo und der Universidade Federal do Rio de Janeiro. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen sich Studierende f\u00fcr Stipendien f\u00fcr Sommersprachkurse bewerben, die allj\u00e4hrlich vom Instituto Cam\u00f5es gestiftet werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Schon 1993 fand an der Universit\u00e4t Hamburg der 4. Kongress des Internationalen Lusitanistenverbandes mit fast dreihundert Teilnehmern aus verschiedenen L\u00e4ndern statt, und auch in den letzten zehn Jahren fanden in Hamburg immer wieder Kongresse und Tagungen statt, die internationale Teilnehmer und ein immer zahlreicher werdendes Publikum anzogen: 2005 ein Kolloquium zum 200. Todestag von Manuel Maria Barbosa du Bocage, 2007 ein gro\u00dfer internationaler Torga-Kongress, 2008 die Tagung \u201eMachado de Assis e a escravid\u00e3o\u201c, 2009 der interdisziplin\u00e4re Kongress \u201ePortugal, Hamburg und die deutschsprachige Welt w\u00e4hrend der europ\u00e4ischen Expansion nach \u00dcbersee (16. \u2013 18. Jahrhundert)\u201c \u2013 um nur einige zu nennen. Das Instituto Cam\u00f5es finanziert jedes Semester Dichterlesungen (mit durchaus klingenden Namen wie Ana Paula Tavares, Paulo Teixeira, Jacinto Lucas Pires), Vortr\u00e4ge zu lusitanistischen Themen im weitesten Sinn (\u00fcber den\u00a0<i>novo acordo ortogr\u00e1fico<\/i>, \u00fcber Formen und Spielarten des Lissaboner Fado, zu afrolusitanistischen Themen, etc.) und eine inzwischen etablierte Gr\u00f6\u00dfe ist das Cinema \u00e0s Quartas, das jedes Semester Filme zeigt, die jeweils unter einem spezifischen Oberthema stehen (z.B. \u201eKino und Literatur\u201c, \u201eInnere Sicherheit und Gewalt\u201c, \u201eDie Kunst und das Leben in Mosambik nach dem Krieg\u201c), und zu denen gelegentlich die Regisseure eingeladen werden k\u00f6nnen, um mit den Zuschauern zu diskutieren. Einer Erw\u00e4hnung wert ist an dieser Stelle auch die Tatsache, dass das Hamburger Institut f\u00fcr Romanistik viele Jahre lang eine Anlaufstation f\u00fcr alle brasilianischen Schriftsteller war, die Deutschland besuchten, darunter Namen wie: Ant\u00f4nio Callado, Rubem Fonseca, Ivan \u00c2ngelo, Jo\u00e3o Ant\u00f4nio, Edgar Telles Ribeiro, Lygia Fagundes Telles, Jo\u00e3o Ubaldo Ribeiro, Ign\u00e1cio de Loyola Brand\u00e3o, Fernando Bonassi, Moacyr Scliar, Rachel de Queiroz, Milton Hatoum oder in j\u00fcngerer Zeit Bernardo Carvalho und Marcos A.P. Ribeiro. All diese Veranstaltungen standen und stehen auch dem lusophilen Publikum Hamburgs offen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr die lusitanistischen Buchbest\u00e4nden\u00a0in der Fachbereichsbibliothek Sprache, Literatur und Medien, Teilbibliothek Spanisch-Portugiesisch: von deren ca. 80.000 B\u00e4nden sind rund 25.000 zu Portugal und Brasilien und diese sind, wie die des Centro de L\u00edngua Portuguesa (die gerade in den Campuskatalog eingepflegt werden), dem interessierten Publikum ohne Einschr\u00e4nkung zug\u00e4nglich. Des weiteren hat die Staats- und Universit\u00e4tsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky seit 1949 von der DFG aufgrund des guten Altbestandes von Werken zu Sprache, Literatur und Kultur Spaniens und Portugals, der seit 1923 kontinuierlich erg\u00e4nzt wurde, das Sondersammelgebiet SSG 7.34 \u201eSpanien. Portugal\u201c \u00fcbertragen bekommen. Als das Sondersammelgebiet \u201eIberoamerika\u201c 1975 an die Bibliothek des\u00a0<i>Ibero-Amerikanischen Instituts Preu\u00dfischer Kulturbesitz<\/i>\u00a0in Berlin ging, wurde das SSG \u201eSpanien. Portugal\u201c in Hamburg verst\u00e4rkt ausgebaut. Hier werden B\u00fccher zu Sprache und Literatur, Volkskunde, Geschichte, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Innen- und Au\u00dfenpolitik, Verfassung, Verwaltung, Gesellschaft einschlie\u00dflich Ver\u00f6ffentlichungen zu Parteien, Gewerkschaften und anderen Verb\u00e4nden, Anthropogeographie und L\u00e4nderkunde gesammelt und dies sogar zumindest punktuell noch erg\u00e4nzt durch Literatur zur Kunst, Musik, Wirtschaft, Geographie und zum Erziehungswesen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Alles in allem ist es also nicht erstaunlich, dass die Wahl f\u00fcr die Ausrichtung des 10. Deutschen Lusitanistentages 2013 auf die Universit\u00e4t Hamburg fiel. Das Hamburger Institut f\u00fcr Romanistik bzw. die Vertreter der Lusitanistik werden sich alle M\u00fche geben, den gro\u00dfartigen Erfolg des Wiener Lusitanistentages nicht zu \u00fcbertreffen \u2013 was schwer werden d\u00fcrfte \u2013 aber ihm redlich nachzueifern und Hamburg zumindest in einem guten Licht erscheinen zu lassen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><i>Martin Neumann<\/i>, Hamburg<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\n<p class=\"bodytext\">\n<hr \/>\n<ol>\n<li>Ich m\u00f6chte an dieser Stelle meinen Kollegen Prof. Dr. J\u00fcrgen Meisel und Prof. Dr. Klaus Meyer-Minnemann ausdr\u00fccklich daf\u00fcr danken, dass mir beide gro\u00dfz\u00fcgigerweise die Manuskripte ihrer Festvortr\u00e4ge zur Feier des 100-j\u00e4hrigen Bestehen des Instituts f\u00fcr Romanistik vom November 2011 zur Verf\u00fcgung gestellt haben, denen ich zahlreiche Details der historischen Entwicklung des Instituts entnehmen konnte.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Portr\u00e4t der Hamburger Lusitanistik1 Die Hamburger Lusitanistik ist \u00e4lter als die Universit\u00e4t Hamburg und sogar \u00e4lter als das\u00a0Seminar f\u00fcr Romanische Sprachen und Kultur, das im Jahre 1911 im\u00a0Hamburgischen Kolonialinstitut\u00a0(1908-1919) eingerichtet wurde. 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